Philosophy & implication


Einführung ins fotografische Werk des Verfassers

Um das Konzept des fotografischen Werks - die Konstruktion/Lokalisierung religiöser Symbole im menschlichen Körper und deren Bedeutungsinhalt - zu verstehen, bedingt es einer Erklärung und grundsätzlichen theoretischen Erläuterung. Im Nachfolgenden wird versucht, die Hintergründe und Überlegungen kurz und plausibel in drei Kapiteln darzustellen.

(Volle Text-Version im Buch)

# 1. Anthropometric topology

The hypothetical architectural construction of anatomy.

 

1.1. Hypothetische anthropometrische Topologie

Eingangs eine Erläuterung zur Sichtweise der Dimension, in der sich das Konzept der anthropometrisch-topologischen (auch: topografisch-anatomischen) Darstellungsform bewegt:

 

[Anthropometrie, gr.: anthropos, menschlich;  metron, Maß.]

[Topologie, gr.: topos, Ort , -logie: Wort, Lehre und lat: ,Geometrie der Lage' oder ,Analysieren des Ortes'.

 

Man kann sich die Oberfläche eines beliebigen Körpers, auch eines menschlichen, als eine Ansammlung einer unbestimmt grossen Zahl von hypothetischen Punkten vorstellen. Diese über die Anatomie verteilten Punkte, die Elemente der Grundmenge des topologischen Raums, bilden – in Konstellation zueinander – ein  variables Geflecht, welches sich in seiner strukturalen Ausformung unendlich verschieden, aber in seiner globalen Ansicht als eine sich relativ wiederholende Architektur darstellt. 

Dieser topologische Raum, bestehend aus der strukturtragenden Menge X und dem strukturdefinierenden System T (X und T in den Fotos nicht abgebildet), transformiert und appliziert auf die Anatomie, wird im fotografischen Werk zur Basis einer differenzierten Sichtweise in der Darstellung des Körpers - zu einer anthropometrisch-topologischen Matrix.

Menge (X) und System (T), grundsätzlich hypothetische Grössen einer Teilmenge, werden im Werk verwendet, um durch graphische Konkretisierung und angewandte, formal annähernd korrekte (absolute Korrektheit ist nicht möglich, da durch Perspektive, Winkelbildung, Dreidimensionalität oder anatomisch divergierende Dimensionen keine mathematisch homöomorphe* exakte Applizierung stattfinden kann) Übertragung auf den Körper ein Gesamtbild zu formen, welches, in teils bewusst, teils unbewusst gewählter Kongruenz der Winkel einzelner Teile des Körpers, die mathematische Harmonie dieser beiden Grössen visualisieren soll.

X, die Menge, und T, die Topologie, das System (die beiden Komponenten der Teilmenge; der topologische Raum) und das Element der Grundmenge, der Punkt, formen das Werk als eine philosophisch zu betrachtende Einheit. Ein wichtiger bzw. der hauptsächliche Aspekt dieser Philosophie besteht darin, dass die Grund- und die Teilmenge nicht per se als bildbestimmendes Moment herangezogen werden.

Der zugrunde liegende Gedanke besteht darin, eine zufällig festgehaltene Bewegung oder in manchen Fällen bewusst gewählte Position des Körpers im Nachhinein den Gesetzen des Anschauungsraums** anzupassen.

Im Nachhinein ist deshalb wichtig, um zu zeigen, dass die topologischen Gesetze gelten und der religiöse Symbolismus, ohne artifiziell konstruiert zu sein, in jedem Fall anatomisch interpretiert werden kann. (Siehe Kapitel #3: ,Der menschliche Körper als Träger eines religiösen Symbolismus‘.)

 

1.2. Konzept 1: Topologische Universalität

Durch Addition von X und T, also einer mathematischen Größe, lässt sich jedes beliebige Objekt diversifizieren. Es spielt keine Rolle, welcher Natur ein Objekt entspricht, da jeder Körper aus einer hypothetischen Addition der Menge und des Punktes besteht.

Diese Überlegung führt zu einer fundamentalen Grundkonzeption des fotografischen Werks: Wenn jedes abgebildete Objekt im Prinzip nicht als Objekt gesehen wird, sondern als eine die Struktur des topologischen Raumes und des Anschauungsraumes transportierende Entität, so kann ein Objekt A im im wesentlichen keinen Unterschied zu Objekt B bezeichnen, sondern als ein, der Theorie der Monadologie verwandtes, Grundprinzip erläutert werden.***

Im weiteren Sinne bedeutet das, dass die dargestellten Körper einer frei assoziierten zugeschriebenen Bedeutung zwar nicht enthoben werden, aber diese subjektive Wahrnehmung und Zuordnung in jedem Fall relative Beurteilungskraft besitzt, da jedes Bild einer mathematischen und punktuellen Transformation unterliegt, welche - als einer in der Teilmenge vorhandenen unendlichen Ansammlung von Punkten -  resultierend ein jeweils verschiedenes, synaptisch individuell auf unendlich viele Möglichkeiten erweitertes Endergebnis liefert.

Die Fotografien unterliegen also keiner objektiv erfassbaren Determination, da der Transport von X und T ein rein theoretisches Gebilde impliziert, was sie einer objektiven Kategorisierung entzieht.

Um die Idee des fotografischen Grundkonzepts in einfachen Worten zu beschreiben, stelle man sich folgendes vor:

Man betrachtet ein Foto. Darauf abgebildet ist ein beliebiger Hintergrund und eine Person; weiblich, leicht bzw. erotisierend bekleidet oder sogar nackt - je nach Vorliebe des Betrachters, mit der er die Szenerie zu visualisieren wünscht.

Nun überlege man sich zwei Dinge:

1.) Ist diese Szenerie a) das Urbild oder b) das Abbild des fotografischen Inhalts; sprich: Handelt es sich um objektive Wahrnehmung oder um die Idee des wahrgenommenen Inhalts?

2.) Ist das wahrgenommene Bild eine nackte Frau vor einem beliebigem Hintergrund oder ist es eine mathematische Information, im Gehirn zusammengefügt aus Millionen oder gar unendlich vielen, einzeln nicht erfassbaren Komponenten einer geometrischen, nicht erkennbaren bzw. perzeptiv instabilen Matrix?

Schlussfolgerung:

a) Ein Foto ist kein Abbild der Realität, sondern die Interpretation davon, da es ohne menschlichen Bezugsrahmen keine Erfahrungswelt gibt.

b) Ein Foto ist kein Abbild der Realität, sondern eine strukturale Summe eines topologischen Raumes. 

Der Inhalt dieses Raumes ist aus objektiver Sicht eine festgelegte, unveränderbare Menge an Teilchen. Diese stehen statisch, in festgelegten Abständen und Winkeln zueinander, welche in sich keiner relativierten Anschauung folgen. Ihre Reihenfolge oder Anordnung wurde nach dem Gesetz des Moments bestimmt, wobei der Moment als zeitliches Erlebnis zwischen dem Zugleichsein und dem Aufeinanderfolgen (siehe I. Kant‘s Ansichten über die Zeit) definiert ist.

Objektiv gesehen also unterliegt dieser Raum einem unveränderlichen Gesetz.

Subjektiv gesehen, beinhaltet dieses Gesetz einige Variablen. 

Erstens könnte man den Moment zeitlich vor oder nach dessen Zeitpunkt festlegen. Es wäre eine rein hypothetische Anordnung, denn sie ist zeitlich nicht wahrnehmbar oder messbar. Selbst die Planck-Zeit könnte nicht als Maßstab verwendet werden. Diese beschreibt zwar das kleinstmögliche Zeit-Intervall, jedoch ist dieses nur nach den Gesetzen der Physik (und der Lichtgeschwindigkeit) gültig.

Zweitens ist dieser Raum aus zweidimensionaler Sicht anders aufgebaut als aus dreidimensionaler; zwangsweise müssen auch die Relationen differieren. 

Drittens - selbst wenn der Raum selbst unveränderlich wäre - unterliegt er einer Sichtweise  von aussen, also dem Menschen und seiner Wahrnehmung, welche milliardenfachen Möglichkeiten entspricht.

 

Es ist also eine topologische Universalität gegeben, die letzten Endes die Theorie (des Verfassers) der relativen Beurteilung von Objekten im Allgemeinen und des fotografischen Werks im Speziellen untermauert.

 

1.3. Konzept 2: Neutralisierung des Profanen und De-Erotisierung

Dies - wie oben beschrieben - erzielt den vom Verfasser gewünschten und gezielt gesteuerten Effekt, dass die Fotos einerseits einem Teilgebiet der Erotik zugeordnet werden können, sich aber gleichzeitig durch die im Anschauungsraum existente Abstrahierungsmöglichkeit dieser Kategorie entziehen, was bedeutet, dass jede Beurteilung und Zuordnung hypothetischer Natur ist.

Aus dieser Folgerung ergibt sich das Konzept einer sich durch Grund- und Teilmenge hypothetisierten fotografischen De-Erotisierung von Erotik. Die Objekte (die dargestellten Personen) werden durch geometrische Beschreibung und Definition topologischer Punkte ihrer ursprünglichen Bedeutung enthoben; die Transformation erotischer Ästhetik bzw. sexueller Assoziation in eine quantisierte Darstellung und Zeichnung eines (in späterer Folge beschriebenen) religiösen Symbolismus erhebt die Objekte aus einer weltlichen und proto-erotischen Sichtweise in das Niveau einer mathematisch-transzendenten Existenzebene; transponiert sie aus der erotisierenden in eine technifizierte Visualisierung, die sich ihrer starren Natur entledigt und einen ornamental wirkenden, symbolistischen Charakter erzeugt.

Was anfänglich wie ein Widerstreit zwischen erotischem Bildinhalt und technischer Erklärung scheint, bildet die Essenz der fotografischen Darstellungen des Verfassers: Es ist die Symbiose zweier scheinbar nicht zu vereinbarender gegensätzlicher Anschauungen, eine Hybrid-Neugeburt aus Biologie und Mathematik, eine gegen die Natur gerichtete Paarung von These und Antithese, welche sich in immer wiederkehrender, aber jedes Mal individueller und neu verfasster Existenz offenbart.

Um eine formale Benennung für diese Neubildung zu finden, wählt der Verfasser einen noch nicht beschriebenen Terminus, die sogenannte Erotechnische Darstellung. 

Je nach Betrachtungsweise lassen sich die Darstellungen in ihrer bildlichen oder in ihrer geometrischen Wirkung interpretieren; es ist dem Auge des Betrachters überlassen, das Human-Element oder das Technische als primär einzustufen. So lassen sich, anstelle der Extremitäten oder Körperformen, die in der Geometrie enthaltenen Elemente wie Tangenten, Winkel oder Kreise mit ihren Verbindungspunkten ebenso als bildbestimmend einstufen wie der biologische Aspekt.

Eines scheint aber gewiss: Erotechnik bietet keinen Angriffspunkt, der ihren Inhalten in profaner Weise Projektionsfläche bietet; so erscheint zum Beispiel eine weibliche Brust nicht als Träger einer sexuell zuordenbaren Größe, sondern als Transportmittel durch die architektonischen Bahnen der topographischen Bezugspunkte.

 

1.4. Proportionale Determinanten

Die vom Verfasser errechneten und (hauptsächlich) benutzten Fünfzehn- und Fünfundvierzig-Grad-Winkel sind die Hauptmerkmale, eine proportionierte erotechnische Katalogisierung zu erreichen; sie entsprechen am profundesten den Isothermen der Bewegungs-Archetypie von Wirbeltieren, im besonderen Fall des Menschen. 

Diese zwingende Überlegung entsteht aus der Tatsache, dass Einzeller und eine Anzahl von Wirbellosen, bedingt durch amorphen bzw. nicht-humanoiden Körperbau oder durch von ihrem Lebensraum diktierte, vorgegebene Struktur sich nicht in das 15/30/45 Grad-System eingliedern lassen, welches vom Verfasser zum Nachweis seiner Theorie benutzt wird.

 

Was außerdem in weiterer Folge die Frage auftauchen lässt, inwieweit der religiöse Aspekt der Beseeltheit organischer Entitäten einer geometrischen Determination unterliegt - wobei beachtet werden muss, dass ein Teil der Theorien über die Seele nur dem Menschen eine solche zuschreibt (siehe nächster Punkt 1.5.).

Aber natürlich fotografiert der Verfasser keine Amöben (in Ermangelung eines Elektronenmikroskops und in Anbetracht des nicht zwingend notwendigen Nachweises, ob Einzeller erotisierend sein können oder eine Seele besitzen); sein Anliegen ist es, die 15°-Winkel-Schritte im menschlichen Körper als archetypische Grundstruktur der Anatomie festzulegen bzw. nachzuweisen und außerdem den Versuch zu unternehmen, das Konstrukt ,Seele' zunächst theoretisch zu erfassen und nachfolgend festzustellen, ob sich dieses Konstrukt einer Visualisierung unterziehen lässt.

Der nötigen Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass sich oben genannte Winkel-Schritte auch an Wirbellosen wie z. B. Crustaceen oder Spinnentieren anwenden liessen (was der Verfasser auch schon getestet hat). Doch dies wäre dem Gesamtkonzept des hier vorliegenden Werkes nur sekundär dienlich, da es - aus erotechnischer Sicht - eine zu vernachlässigende Bedeutung hat. (Zusatz-Anmerkung: Der Verfasser empfindet Crustaceen, also Krebstiere, als schön - jedoch konzentriert sich das fotografische Werk im Moment auf die humanoide Variante.)

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[Topologische Konstruktion: Gliederfüsser/Mensch; siehe Bilder-Sektion, Abb. 2 & 3.]

 

Das 15/30/45 Grad-System beschreibt des weiteren nicht nur die natürliche Relation der menschlichen Proportionen zueinander, sondern ist auch wichtig für das Endziel des Verfassers (siehe Kapitel #3), die linear aufsteigenden, dem Körper und den Extremitäten angepassten 15°-Schritte einer Summe von 90° zuzuweisen; also den Komplementärwinkeln, die für die Konstruktion eines Kreuzes und zur Untermauerung der Theorie des Verfassers notwendig sind.

  

1.5. Die Geometrie der Seele

Wie im vorhergehenden Punkt 1.4. beschrieben, lassen sich Flächen und Körper proportional determinieren. Dies trifft ebenso auf nicht definierte, variable Körper zu, wie etwa einige Mikroorganismen oder Amöben, welche selbst in ihrer Vielfältigkeit nichtstrukturierter Erscheinungsformen trotzdem einer gewissen Proportionalität unterliegen. Gemäß der biologischen Analogie**** ähneln sich Lebewesen, selbst bei konvergenter Evolution.*****

Das bedeutet, dass die Entwicklung aller biologischen Formen einem gemeinsamen, ursprünglichen Funktions- und Bauplan unterworfen sind, egal ob Kamm-Muschel, Kletterpflanze oder Mensch - alles funktioniert innerhalb einer Darwin'schen Gesetzmäßigkeit; Diversität ist kein Hindernis, sondern Transformator.

Abseits von Darwin gibt es eine Vielzahl frühzeitlicher Entstehungstheorien, aber auch moderne kreationistische Lösungsvorschläge wie Intelligent Design, welches eine Art Demiurg, einen Baumeister der Schöpfung vorstellt.

Wie auch immer: Das biologische Gesetz ist bindend. In seiner kleinsten molekularen Einheit ist alles Leben eins; die gesamte Biologie des Planeten ist, überspitzt ausgedrückt, eine prinzipielle Schlamm-Masse der Ordnungszahl 6.******

Auf die Geometrie angewandt, ist die Form und Proportion von Lebewesen eine relativ klar formulierte Konzeption und kann daher gut beschrieben und eingeordnet werden.

Ebenso vielfältig katalogisiert wurde der Geist und das Gehirn des Menschen, praktisch alles ist psychologisch erklärbar; Psychologie ist eine empirische Wissenschaft, sie umfasst Theorien, Modelle und Hypothesen, weitreichend von Allgemeiner bis hin zu Mathematischer Psychologie oder Tierpsychologie (Verhaltensforschung).

Relativ komplex und umfassend präsentiert sich die Erforschung des Lebens, viele Geheimnisse der Biologie wurden zufriedenstellend enträtselt.

Thematisch komplizierter wird jedoch ein anderes Gebiet, nämlich die Vermessung einer rein immateriellen, ätherischen Erscheinungsform - der Seele.

Als erstes sollte festgestellt werden, ob nicht nur dem Menschen, sondern auch dem Tierreich eine Seele zugesprochen werden kann.

Platon hielt Menschen, Tiere, Pflanzen und sogar Gestirne und den Kosmos für beseelt. Das Judentum der Antike spricht von nefesch (Körperseele; Atem) und wird auch für Tiere verwendet. Auch die Evangelien des Christentums (NT) sprechen eine psyche (gr.) den Menschen und Tieren zu; Jesus' Seele begab sich in der Zeit zwischen Tod und Auferstehung zu ,im Kerker gefangenen Geistern' (Höllenfahrt Christi; Lutherbibel, 1 Petr. 3,19).

Die Neuzeit zeichnet andere Bilder der Seele, R. Descartes (1596 - 1650) sprach den Tieren (und auch dem Menschen) eine Seele ab, G. W. Leibniz (1646 - 1716) verwarf Descartes' These und billigte zumindest manchen Tieren eine Seele zu, ebenso wie I. Kant (1724 - 1804), welcher zwar prinzipiell gegen eine (metaphysische) Seele argumentierte, jedoch eine wissenschaftlich und empirisch erfassbare Seele in Betracht zog.

Für L. Wittgenstein (1889 - 1951) war sie, wie sie in der modernen Psychologie aufgefasst wird, ein ,Unding'. Und S. Freud (1856 - 1939) bezeichnete die Seelen-Instanzen als ,Es, Ich und Über-Ich'. 

Zur Seele an sich gibt es nahezu so viele Theorien wie es (natur)philosophische und theologische Denker gibt. Welche Theorie auch immer für sich selbst gültig ist - man kann Tiere nicht davon ausschliessen, eine Seele zu besitzen. Sie wurde philosophisch beschrieben, wissenschaftlich erklärt, ihre Ausdehnung erkundet, ja sogar eine Suche nach dem ,Seelenorgan' fand über Jahrhunderte hinweg statt, welche erst im 19. Jahrhundert unter dem Einfluss moderner biowissenschaftlicher Erkenntnisse ihr Ende fand.

Wie aber sieht die Seele aus - gibt es ein Modell, eine geometrische Beschreibung? Kann man die Seele in einer mathematischen Formel erfassen?

Eine (für den Verfasser schlüssige) Beschreibung liefert die Lehre von Platon: Gesundheit besteht, wenn alle drei Seelenteile (Vernunft, Trieb und Emotion/Affektivität) und ihre Elemente symmetrisch sind. Ihre Harmonie bedeutet Gesundheit, ihre Asymmetrie Pathos der Seele. Weiters besteht sie aus Teilen verschiedener Art und Substanz, welche lokalisatorisch voneinander getrennt sind, aber ihren Sitz im Hegemonikon (herrschender Teil der Seele) haben, welcher sich im Gehirn befindet. (Quelle: Leibbrand/Wettley: Der Wahnsinn, S. 131 ff)

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[# Visualisierung der Seele nach Platon: siehe Bilder-Sektion, Abb. 4. (Die schematische Darstellung des Hegemonikons gleicht des weiteren der 
Bleiglasfenster-Ornamentik in Kathedralen.)

# Visualisierung der Seele nach Augustinus von Hippo: siehe Bilder-Sektion, Abb. 5 und 6.]

 

Nachfolgend einige Gedankenversuche:

a) Etwas Immaterielles, Religiöses, Unsterbliches, ein ohne von Atom- oder Gravitationskräften behaftetes Element geometrisch oder mathematisch zu erfassen, scheint geradezu unmöglich, denn Geometrie beschreibt Zustände im dreidimensionalen Raum. Die Seele müsste ein Gebilde sein, welches alle uns bekannten geometrischen Formen vereint und eine Schnittmenge daraus (Konzept 1) oder eine Summe (Konzept 2) in einer Art ätherischem Medium assimiliert. Eine Quintessenz, definiert durch eine philosophisch-mathematische Formel, welche alle hypothetisch existenten Variablen miteinbezieht und sich durch eine aristotelische 5. Dimension (masselos, unveränderlich, ewig) teilen lässt, wobei die 5. Dimension aller Wahrscheinlichkeit nach infunktionabel ist und eine höhergeordnete Dimension angewandt werden müsste. Welche das genau sein sollte, müssten Mathematiker gefordert sein, dies herauszufinden. Es wäre eine sog. Dimensionsanalyse notwendig, da es keine einem physikalischen Vorgang zugrundeliegende Formel und keine exakte Gesetzmäßigkeit gibt, welcher die Seele unterworfen ist. Beschreibungen der Seele fallen ins Gebiet der Theologie oder der Metaphysik und divergieren von Auffassung zu Auffassung. Es wäre also keine rein mathematische Formel, sondern eine metaphysische; möglicherweise sogar mit unendlichdimensionalen Vektorräumen [max {dim V}] - wobei der Verfasser diese Variante nicht unterstützt.

 

b) Nichtsdestoweniger existiert die Seele, da sie hypothetisch erfasst werden kann - demnach aus hypothetischen Teilchen besteht. Teilchen besitzen bekannterweise die Eigenschaft, in zwei Formen zu existieren: Als ,normales' und als Antiteilchen - wobei vollständige Parität, also vollkommene Symmetrie herrscht. (Das Antiteilchen eines Antiteilchens ist wieder das ursprüngliche Teilchen.) Daraus ist zu schliessen: Das Gebilde ,Seele' existiert hyperdimensional - in unserem Raum-Zeit-Kontinuum ist dieses Gebilde nicht existent, also muss es als überdimensionale Entität sowohl als immaterielle Seelen-Masse als auch als Anti-Masse definiert werden, woraus sich weiters folgern lässt: Die Seele ist keine Einzel-Entität, sondern eine mindestens zweifach, möglicherweise auch unendlich eigenschaftliche Existenzform, also ein theoretisches Hypergebilde aus Seele und Anti-Seele mit mindestens der Ruhemasse Null oder sogar Null plus minus Variable x, wobei für x ,unendlich' einsetzbar sein könnte, da die Seele keinerlei Raum-Zeit-Beschränkung unterliegt oder unterliegen kann.

(Erklärungen, ja sogar Beschreibungen, wie sie von Gläubigen immer wieder auftauchen, dass die Seele - teilweise als Lichtgestalt - den Körper in Richtung Jenseits verlässt, sind demnach als metaphorische Visualisierung zu sehen. Die hypothetische Raumspiegelung benötigt, ähnlich einer Quantenverschränkung, kein mobiles geografisches Transportmedium; außerdem bedingt ,verlassen' per Definition einen zeitlichen Ablauf, d. h. die Seele wäre in Abhängigkeit von Zeit, was die Frage aufwerfen würde: Welche Geschwindigkeit hat die Seele - wie lange dauert die Reise ins Jenseits?)

Diese vieldimensionale Parität zu determinieren wäre möglich; eine Art dimensionsübergreifende Fiktivteilchen-Katalogisierung ohne lokalisationshemmende Komponenten wie Gravitation und Zeit. In diesem übergeordneten Katalog liessen sich Koordinaten bestimmen wie z. B. Symmetrietransformations-Wellen oder anti-gravitatorische Hyperraum-Spiegelungen und deren Zustandsform in einer Ruhemasse Null bzw. plus minus x.

Geht man davon aus, dass dieser Katalog zu berechnen wäre, erhielte man ein Koordinaten-System, bestehend aus Fiktiv-Gleichungen zur Lokalisation von Anti-Masse im vieldimensionalen Zustand. Daraus liesse sich eine (hypothetische) Differentialtopologie (ab der 4. Dimension) strukturieren und, davon ableitend, ein hypermathematisches Geometriebild zeichnen.

 

c) Nachdem nun festgestellt wurde, dass die Seele nicht der Dimension Zeit unterliegt; wie verhält es sich dann mit der Körper-Seele-Einheit, wenn der Körper dimensionsgebunden ist, das Fiktiv-Gebilde ,Seele' aber nicht? Natürlich kann beides nebeneinander existieren, wie es der cartesianische Dualismus beschreibt, aber dann wäre die Seele eine Extrakomponente, verbunden mit dem Körper durch eine Art nichtmolekularen Klebstoff, einem Fluidum, welches die immaterielle Komponente anhaften lässt, ähnlich dem Mesmer'schen Prinzip einer unsichtbaren Kraft, welche das All und sämtliche Organismen durchflutet. Dies sei jedoch wieder verworfen, da F. A. Mesmer (1734 - 1815) von einer magnetischen, also der Gravitation unterliegenden Kraft ausging und der Einzug seiner Theorien in die Heilkunde das ganze System als zu sehr von einer praktischen Seite gesehen werden muss.

Diesen Klebstoff zu finden, liesse ein interessantes Licht auf die Thematik fallen, ist jedoch für den Zweck des Verfassers, ein geometrisches Bild der Seele zu entwerfen, nur von zweitrangiger Bedeutung - ganz abgesehen von der Frage, wo, an welchem Teil der Seele dieser Stoff anzubringen wäre; denn etwas zu verbinden, setzt eine räumliche Grenze voraus.

 

d) Aber vielleicht gibt es gar keinen Kleber. Wenn man in diesen Gedanken-Entwurf die Theorie der ,Klick-Fusion' miteinbezieht, kommt man einer möglichen Erklärung näher. Es handelt sich um einen Begriff, welcher die Abfolge von Ereignissen, wenn sie zum nahezu oder exakt selben Zeitpunkt auftreten, in unserer Sinneswahrnehmung verschmelzen lassen. In Versuchen wurde festgestellt, dass, wenn zwei separierte Töne über Kopfhörer einer Versuchsperson zugespielt werden, sie in größerem zeitlichen Abstand als einzelne Töne wahrgenommen werden. Je kürzer die zeitliche Distanz zwischen dem Abspielen der Töne wird, desto schwieriger wird es für das Gehirn, sie als separierte Impulse zu identifizieren. Am Ende nimmt der Mensch beide Klicks nur noch als einen wahr; man hört ihn nicht mehr über die Ohren, sondern er entsteht direkt ,im Kopf'; man spricht von einer Klick-Fusion. (Quelle: Ernst Pöppel; Grenzen des Bewußtseins; 2000)

Auf die Theorie der nicht-fluidalen Verbindung angewandt, umgemünzt auf die Seelen-Problematik, könnte man eine Theorie von der Gleichzeitigkeit der Zustände entwerfen. Dies würde bedeuten, dass eine Klebstoff-Theorie nicht notwendig wäre, denn das Auftreten zusammenhängender mehrdimensionaler Zustände - zum selben Moment, ohne zeitliche Komponente - liesse das Ereignis in sich entstehen, d. h. es wäre keine externe Kraft nötig, um die Seele und den Körper zu verschmelzen, da ja von vornherein keine (immaterielle) Distanz vorhanden ist.

 

Die Vermessung der Seele kann also nur theoretischen Charakter haben, wobei die Berechnung eines wie oben genannten Fiktivmasse-Katalogs dem Verfasser so schlüssig erscheint wie die Bibel als subjektiv zu betrachten ist (siehe Kapitel 3.5. ,Jesus als sexuelles Symbol'). Wichtiger wäre es nach wie vor, die Körper-Seele-Einheit zu erklären und daraus resultierend die Form, wie dieses mehrdimensionale Gebilde aussieht, visuell darzustellen. Im fotografischen Werk wird zunächst vom Verfasser das Seelengebilde lokalisiert und in weiterer Folge ein Versuch der geometrischen Darstellung anhand topographischer Anatomie vorgenommen. Die geometrischen Raster erfolgen auf euklidischer Basis, da sie im zweidimensionalen Abbildungsmodus dargestellt werden (müssen).

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[Abbildungen folgen]

 

1.6. Zusammenfassung

a) Schaffung und Beschreibung einer mathematisch-philosophischen Grundlage, auf welcher verschiedene Konzepte und Theorien des Verfassers basieren.

b) Der Verfasser entwirft ein anatomisches Raster anhand topologischer Bezugspunkte und generiert eine erotechnische Determination seiner Fotos. Das bedeutet, die Abbildungen sind sowohl aus biologischer wie auch aus technischer Sicht zu betrachten, wodurch sie sich einer rein fotografischen Darstellungs- und Sichtweise entziehen.

c) Zusätzlich zum Konzept der a) topologisch-anatomischen Architektur, wird ein b) soziokulturelles und c) metaphysisches Konzept zur Fotografie des Verfassers erfasst.

d) Der Versuch der Zuordnung und geometrischen Darlegung einer immateriellen Präsenz, der Seele.

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[..... text in progress .....]

  

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* Homöomorphie: Mathematisch; die äquivalente, Punkt-zu-Punkt entsprechende bzw. strukturgleiche Abbildung zweier topologischer Gebilde. Zum Beispiel sind aus topologischer Sicht ein Würfel und eine Kugel ident; sie gelten als homöomorph.

** Anschauungsraum: von Euklid beschrieben. Dieser bezeichnet den uns umgebenden physikalischen Raum.

*** Monadologie: siehe ,Metaphysische Abhandlung‘, Gottfried Wilhelm Leibniz.
**** Analogie: Ähnlichkeit der Struktur von Organen, Proteinen oder Genen.
***** Konvergente Evolution: Analoge Merkmale bei nichtverwandten Arten.
****** Ordnungszahl 6 im Periodensystem: Kohlenstoff. Weitere wichtige Grundelemente des biologischen Lebens sind Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff.

 

 

 

# 2. The vitruvian woman

A new conception.

 

Historische Bedeutung

2.1. Vitruvius

Als vitruvianischer Mensch (lat. homo vitruvianus) wird eine Darstellung des Menschen nach den vom antiken Architekten und Ingenieur Vitruv(ius) formulierten und idealisierten Proportionen bezeichnet. 

Vitruvius,  ein römischer Architekt, lebte von ca. 80–70 v. Chr. bis ca. 10 v. Chr. Dieser verfasste zwischen 33 v. Chr. und 22 v. Chr. die einzigen aus der Antike erhaltenen Architekturbücher ,Zehn Bücher über Architektur‘ (lat. De architectura libri decem).

Er stellt darin unter anderem die Theorie des wohlgeformten Menschen (lat. homo bene figuratus) mit einem idealen Verhältnis der Körperteile zueinander auf:

„Ferner ist natürlicherweise der Mittelpunkt des Körpers der Nabel. Liegt nämlich ein Mensch mit gespreizten Armen und Beinen auf dem Rücken, und setzt man die Zirkelspitze an der Stelle des Nabels ein und schlägt einen Kreis, dann werden von dem Kreis die Fingerspitzen beider Hände und die Zehenspitzen berührt. Ebenso, wie sich am Körper ein Kreis ergibt, wird sich auch die Figur eines Quadrats an ihm finden. Wenn man nämlich von den Fußsohlen bis zum Scheitel Maß nimmt und wendet dieses Maß auf die ausgestreckten Hände an, so wird sich die gleiche Breite und Höhe ergeben, wie bei Flächen, die nach dem Winkelmaß quadratisch angelegt sind.“ (Vitruvius)

 

2.2. Leonardo da Vinci

Im Gegensatz zu Vitruvius, der das Zentrum am Nabel festlegte, konstruierte Leonardo da Vinci (1452 - 1519) in seiner Zeichnung „Der vitruvianische Mensch“ zwei Zentren.

Die Zeichnung entstand um 1490 und zeigt einen Mann mit ausgestreckten Extremitäten in zwei überlagerten Positionen. Mit den Fingerspitzen und den Sohlen berührt die Figur ein sie umgebendes Quadrat (homo ad quadratum) bzw. einen Kreis (homo ad circulum).

Für den „homo ad circulum“ legte er den Zirkel exakt im Nabel an. Beim „homo ad quadratum“ ist dagegen der Schritt der Mittelpunkt des Quadrates.

Damit gelang es Leonardo, die Überlagerung von Kreis und Quadrat so zu lösen, dass eine zwingende, harmonisch proportionierte Gestalt entstand.

Die Studie ist bis heute nicht nur ein Symbol für die Ästhetik der Renaissance, sondern eines der berühmtesten und am meisten vervielfältigten Bildmotive.

Leonardo gewann seine Proportionsvorstellungen nicht nur aus der antiken Überlieferung, sondern auch durch Vermessung der Anatomie junger Männer in den Jahren 1489/90.*

 

2.3. Die Vulva als Zentrum.

Das fotografische Werk des Verfassers wendet sich von den historischen Vorbildern ab und legt drei Konzepte vor:

1) Übertragung  von Vitruvius’ und Leonardos Berechnungen in die ausschliesslich weibliche Form. Mit dem Ziel, nicht nur eine proportionistisch ästhetische Form, sondern auch eine soziokulturelle Verbindung aufzuzeigen.

2) Centrum genitalis (im Schritt, wie beim ,homo ad quadratum' von Leonardo da Vinci).

3) Multiple Zentren. Definiert durch die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale; eingebettet in die globale Sphäre der tertiären Geschlechtsmerkmale.

 

Punkt 1) umfasst, abseits der visuell bedingten Zentrierung eine philosophisch zu betrachtende, weiterführende Komponente:

Der Verfasser definiert als vitruvianisches Konzept die Frau anstelle des Mannes und determiniert die Vulva der Frau als Zentrum.

Gründe dafür ergeben sich aus historischen, soziologischen als auch biologischen Betrachtungen.

Seit der Frühzeit gilt die Vulva als Symbol für das Fruchtbare, Lebensspendende und steht in direkter Verbindung mit Sexualität und Geburt. Im Sumerischen gab es das Keilschriftzeichen ,munus‘, welches ein Schamdreieck darstellt und ,Frau‘ bedeutet – das Delta wird im Laufe der Menschheitsgeschichte und in vielen Kulturen immer wieder als Zeichen für die weibliche Scham verwendet; der Satz des Pythagoras (570 - 510 v. Chr.) über das Dreieck ist einer der fundamentalen Sätze der euklidischen Geometrie - und nicht nur aus geometrischer Sicht ist das Dreieck ein wesentlicher sekundärer Bestandteil des fotografischen Werks, sondern auch entsprechend der These Platons von der ontologischen und epistemischen Abhängigkeit der wahrnehmbaren und nur durch Denken erkennbaren Welt, die einen nicht unerheblichen Einfluss zur Sichtweise des Konzepts hat. (Urbild – Abbild; siehe Kap. 1.2. ,Topologische Universalität')

Die Begriffe ,Schamdreieck' und ,Scham' werden mittlerweile nur noch für die weiblichen Genitalien verwendet; die ursprüngliche Bedeutung für ,Scham' (die einsetzte, nachdem Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gekostet hatten) aus der Genesis wurde für den Mann getilgt.

Weiters hatten auch die Ägypter, Inder und andere Kulturkreise eigene Zeichensymbole.

Je nach Kulturkreis, die Haltung gegenüber der Vulva betreffend, gibt es Ansichten von völliger Tabuisierung über Assoziationen mit Sünde oder Ekel bis hin zur Verehrung bzw. Vergötterung. War sie bis ins späte Mittelalter relativ positiv assoziiert, fand seit Beginn der Neuzeit, mit ihrem Höhepunkt in der Prüderie des viktorianischen Zeitalters, eine zunehmende Tabuisierung statt, die erst im 20. Jh., speziell seit der sexuellen Revolution und der Liberalisierung der Gesellschaft, wieder abgeschwächt wurde. Erwähnenswert, dass das alte englische Wort ,cunt' ursprünglich ,Heiliger Ort' bedeutete.

Doch unabhängig, ob Verherrlichung oder Negierung, war die weibliche Scham immer das hauptverantwortliche Objekt der Fortpflanzung und damit naturgemäß das Ziel männlichen Interesses; die sog. ,Scheide für das Schwert'.

Dieses Ziel gestaltete und gestaltet sich in nahezu unermesslich vielen Ausformungen, von der rein subjektiven, schwärmerischen Phantasie über bizarr-inhaltliche sexuelle Praktiken bis hin zur vollkommenen Degradierung, sogar Folter des Objekts. Welches Unheil im Lauf der Jahrtausende über Menschen gebracht wurde, die aus biologischen Gründen als Frau geboren wurden, ist nur schwer nachvollziehbar; von frühem, sippenerhaltendem Frauenraub über Ausbeutung der Arbeitskraft, theologische und philosophische Unterdrückungs-Determinanten wie Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies, charakterliche und soziale Herabwürdigung des Weiblichen (ausgenommen Jungfrauen) im Mittelalter, untermauert durch das klerikale Recht bis hin zu neuzeitlichen, diffizileren Degradierungen; vielfach durchzeichnet von unaufgeklärter Geisteshaltung und wissenschaftlich unhaltbarer Beweiskraft.

 

Einige Beispiele:

Die Kirche, welche die Auffassung vertrat, das weibliche Genital diene nur zur Fortpflanzung, beschrieb im 17. Jahrhundert, das Jungfernhäutchen solle den Penis davon abhalten, in den Uterus einzudringen.

Pseudo-Albertus Magnus (die Bezeichnung eines mittelalterlichen Autors aus dem klösterlichen oder universitären Bereich, ca. 14. Jh., dessen Werke wie Secreta mulierum ursprünglich Albertus Magnus zugeschrieben wurden) proklamierte, dass die Frau von ihrer Natur her kein Mensch sei, sondern eine Mißgeburt.

Es wurden Meinungen und Schriftwerke publiziert - medizinische Forschungen, Rezepturen-Sammlungen u. a. - welche die Existenz bzw. den ,Sinn' der Frau in abstruse Schemata pressten. ,Jungfrauenproben' oder ,Lustproben', welche an unzähligen Mädchen und Frauen durchgeführt wurden, um beispielsweise die überschwängliche Lust der Frau zu dämpfen, bestimmten über das meist bedauernswerte Schicksal.

Im medizinischen Kodex Meister Blumentrost's Arzneibuch (ein Arzt aus Würzburg, 14. Jh.) wird beschrieben, wie man aus getrockneten Nacktschnecken und Dill ein Pulver mischt, welches nach siebentägiger Einnahme die Klitoris zum Verdorren bringt.

Oder - zur Feststellung, ob eine Frau am anderen Geschlecht interessiert ist - die folgende Jungfrauenprobe: Zerquetschte Rübenstücke werden in einem Leintuch nachts an die nackte Haut gelegt. Sollte die Frau den Männern zugetan sein, hat sich am nächsten Morgen ein Wurm darin gebildet.

Dergleichen - ernstgenommener - Unsinn findet sich in tausenden, seinerzeit seriösen ärztlichen Quellen. Die Zauberkrankheit par excellence, das Unfruchtbarmachen des Mannes oder seine Impotenz ist eine typische Einflussnahme der (verhexten) Frau und wurde in manchen Regionen mit Enthauptung geahndet.

Totgeburten waren eine typische Folge weiblichen Fehlverhaltens - die Frau hat sich entweder zuviel bewegt, zuviel getanzt oder das Kind erdrückt. Um eine solche im Mutterleib festzustellen, erwärmte die Hebamme ihre Hand in warmem Wasser und legte sie der Schwangeren auf den Leib - regte sich das Kind nicht, wurde es für tot erklärt.

Für Pseudo-Aristoteles (eine Gruppe von Autoren der Antike und des Mittelalters, welcher nicht authentische Werke von Aristoteles zugeschrieben wurden) galt als Zeichen für ein tot geborenes Kind, wenn es vorher im Geburtskanal schrie; Theologen sahen darin die Angst des Kindes, nicht rechtzeitig getauft zu werden und damit seine Seele nicht zu retten.

Doch man konnte auch Empfängnisverhütung betreiben, um solchem Unheil entgegen zu wirken: Da der Coitus interruptus als widernatürlich galt, musste die Frau nur vor und nach dem Koitus Teer, Granatapfel-Öl oder Alaun in die Scheide einführen (nach Avicenna, 980 - 1037). Oder auch Bienen schlucken.

Was sicher vor Empfängnis schützte, war, Hasenmist oder die Gebärmutter einer Ziege bei sich zu tragen (im spätmittelalterlichen Traktat Von der Natur der Frauen und ihren Krankheiten), oder nach dem Geschlechtsverkehr niesen oder siebenmal rückwärts hüpfen, damit der Samen abfliessen könne. Vorwärts zu hüpfen bewirkte jedoch das Gegenteil.

Besser jedoch war, eine Jungfrau zu sein; es wurde geradezu idealisiert. Ihr ,verschlossener' Körper drückte Kampfkraft, Aktivität und eine größere Stärke gegenüber anderen Frauen aus, vermied gesellschaftliche Restriktionen und verlieh den Staus einer akzeptablen Heiratskandidatin. So ist es kein Wunder, dass in frauenheilkundlichen Texten Massnahmen zur Vortäuschung der Virginität sowie Jungfrauenproben angeboten wurden: Zum Beispiel badete man die Vulva in einem Sud der Großen Fetthenne (Sedum maximum), einem Dickblattgewächs, und verengte damit den Scheideneingang und verkleinerte die Klitoris.

War man jedoch entjungfert und wollte das verbergen, so wurde empfohlen, Taubeneingeweide in die Vagina einzuführen damit diese sich mit Blut fülle und nach der Hochzeitsnacht eindeutige Zeichen auf den Bettüchern hinterlasse.

Bei einer weiteren Jungfrauenprobe, der ,Urinschau', sollte der Geruch von gebratenem oder verbranntem Sellerie die Frau dazu bringen, urinieren zu müssen, was ihre Entjungferung bestätigte. Ob eine Frau noch ,verschlossen' war, konnte auch eine Räucherung aufzeigen: Der Rauch von auf Kohlen verbrannten Linsensamen und Portula-Öl konnte selbstverständlich nur in den Körpber eindringen, wenn die virgo nicht mehr intakt war.

Ein weiteres Beispiel für den weiblichen Status im Mittelalter zeigt dies: Wie vom Arzt Alexander Seitz 1533 vertreten, hatte eine Frau, welche einem hysterischen Anfall erlag oder ohnmächtig wurde, Anspruch darauf, dass ihr ein Mann aus christlicher Nächstenliebe mit seinem instrumentum naturale helfe.

Oder schon in wesentlich früheren Zeiten fanden die Ärzte Hippokrates (ca. 460 - 370 v. Chr., der Begründer der ,Viersäfte-Lehre' - Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle) und Galen (ca. 129 - 215 n. Chr.) heraus, dass eine Verbindung zwischen Gebärmutter und Brüsten besteht: Die Muttermilch sei Menstrualblut, welches eine Metamorphose durchlaufen habe.

(Quellen: Britta-Juliane Kruse, 1999; Die Arznei ist Goldes wert - Mittelalterliche Frauenrezepte)

Die Findung und Beschreibung der teuflischen, bösen und zerstörerischen Kräfte der Frau fand im Mittelalter ihre Hochblüte. Was durch klerikale Fanatiker wie den Jesuiten Martin del Rio (Disquisitionum Magicarum libri sex) oder die Dominikaner Jakob Sprenger und Heinrich Institoris (Sprenger/Institoris: Malleus maleficarum oder Der Hexenhammer) am Frauenbild angerichtet wurde, war über Jahrhunderte irreparabel und zieht sich noch in Ansätzen bis in die heutige Zeit. Haarsträubende Fantasien über das weibliche Geschlecht und folgenschwerste Anschuldigungen liessen Hunderttausende ihr Leben unschuldig am Scheiterhaufen oder unter der Folter beenden.

Sprenger nennt als die drei Hauptlaster der Frau: 1) fehlenden oder mangelhaften katholischen Glauben, 2) Ehrgeiz und Wollust (Üppigkeit) und 3) entfesselten Sexualdrang (,Drei Dinge, die unersättlich sind: die Hölle, das Grab und die Vulva einer Frau.‘ Sprichwort; im Hexenhammer zitiert).

Die Päpstliche Bulle (Summis desiderantes affectibus), deren Text Heinrich Institoris (richtiger Name: Heinrich Kramer bzw. Krämer) verfasste, führt noch sieben weitere weibliche Verfehlungen an:

Die Frauen behexen den Liebesakt und die Empfängnis im Mutterleib derart, erstens) dass sie die Herzen der Menschen zu außergewöhnlicher Liebe etc. verändern, zweitens) dass sie die Zeugungskraft hemmen, drittens) die zu diesem gehörigen Akt gehörenden Glieder entfernen, viertens) die Menschen durch Gaukelkunst in Tiere verwandeln, fünftens) die Zeugungskraft seitens der weiblichen Wesen vernichten, sechstens) Frühgeburten bewirken und siebentens) die Kinder den Dämonen opfern.**

 

Diese Beispiele zeigen auf, welchem Denken Frauen im Laufe der Jahrhunderte unterworfen waren, welcher gesellschaftlichen Tradition und welch krassem Unsinn aus medizinischer, theologischer und sozialer Sicht sie unterlagen. Ihr Körper, ihr Geschlechtsteil diente inhumanen Experimenten und ihre Fraulichkeit, ihr Status, ihre Psyche wurde von einer männlichen Sichtweise dominiert.

Doch aus welcher Perspektive auch immer die Vulva bewertet wird: Fest steht, dass ihr zu allen Zeiten eine überdurchschnittlich hohe Bedeutung zugemessen werden kann.

  

Punkt 2) bedient sich der Festlegung des Zentrums im Schritt (Leonardo da Vincis ,homo ad quadratum‘).

Der Verfasser verzichtet auf  eine Definition des Nabels als Zentrum und entfernt sich damit von den historischen Vorgängern Vitruvius und Leonardo. Dies wurde willkürlich festgelegt, da im fotografischen Werk durch die Hervorhebung der Vulva als zentrales sexuelles Identifikationsobjekt der primäre Aspekt und der damit verbundene Symbolismus bevorzugt behandelt wird.

In vielen der Fotografien erkennt man dieses Zentrum als bewusst gesetztes Element des Bildaufbaus; immer wieder führen, biometrisch die Topologie ins Zweidimensionale übertragende imaginäre Winkelstrahlen, welche vom Verfasser nachträglich grafisch sichtbar gemacht werden, das betrachtende Auge auf diesen markanten Punkt.

Die topologische Architektur dient dabei als Hilfsgerüst - Körpernormen, Relationen und Extremitäten sind das Werkzeug; wie Bahnen ins Zentrum führende, durch Schnittstellen verbundene Linien gehorchen einer sich verselbständigenden, mathematischen Gesetzmäßigkeit.

Bewusst verzichtet der Verfasser außerdem auf hundertprozentige Genauigkeit. Im Gegensatz zu den historischen Darstellungen, welche auf zeichnerischem Weg einer festgelegten exakten Geometrie gehorchen, bringt das Medium Fotografie ein zusätzliches Moment ins Werk: Das durch die Modelle selbst bestimmte zufällige Element, welches die mathematische Exaktheit dekonstruiert und durch natürlich entstandene Nicht-Exaktheit die Sphärik der Bilder intensiviert.

Und um schlussendlich den Beweis zu suchen, dass jeder menschliche Körper in jeder beliebigen Pose das Gesetz einer genitalen Zentralisierung aufrechterhält.

 

Punkt 3) legt die dritte Sichtweise einer vitruvianischen Neu-Konzeptionierung vor.

Das bedeutet, der Verfasser definiert aus verschiedenen von der Topologie vorgegebenen Punkten ein- oder mehrere Zentren, die sich vom Konzept des Centrum genitalis lösen. Es gilt dabei, sich der optimalen Wirkung des Bildaufbaus zu bedienen und durch das Foto vorgegebene Winkelungen zu konstruieren, welche in keiner Beziehung zu Regeln wie Goldener Schnitt, Fibonacci-Folge oder Definitionen wie von z. B. Bernoulli oder Euklid  gehorchen, denn in diesem Fall wird die alleinige Gesetzmäßigkeit von den primären, sekundären und tertiären Geschlechtsmerkmalen vorgegeben.

 

Daraus folgernd, lassen sich die Linien an verschiedenen Schnittpunkten bündeln und es können Zentren definiert werden wie z. B. Vulva, Rektum, Sternum oder auch das Gesicht. Dabei berücksichtigt werden die tertiären Merkmale wie Knochenbau oder im Besonderen die Kleidung.

 

 

 2.4. Historische Betrachtung zum fotografischen Werk – Geometrie in der Kunst.

Die Technik des Verfassers, eine strukturale Architektur im Körperbau zu determinieren, ist im Grundkonzept nicht neu, sondern wurde schon sehr früh in der Kunst eingesetzt. Jedoch diente die ursprüngliche Idee einer geometrischen Konstruktion und auch in weiterer Folge einem anderen Zweck, nämlich der anfangs möglichst pragmatischen Herstellung monumentaler Kunstwerke und später der Darstellung kompositorischer Harmonie.

Jahrhunderte, in denen Kunstwerke geschaffen und Tausende von Gemälden nach geometrischen Vorgaben gemalt wurden, führten - nach eingehender Recherche - nicht zur vom Verfasser konzipierten Idee einer religiösen Symbolik, welche im menschlichen Körper konstruiert bzw. lokalisiert werden kann.

 

In der Monumentalkunst war eine klare Formgebung von äußerster Wichtigkeit; naturgemäß, denn beispielsweise die riesenhaften Skulpturen in Tempeln mussten mehreren Ansprüchen genügen und unterlagen grundsätzlichen Faktoren: Es musste die Statik beachtet werden, denn bis zu tonnenschwere Steinmonumente konnten nicht ohne weiteres nach der freien Imagination des Bildhauers hergestellt werden. Dies musste in den meisten Fällen in Zusammenarbeit und nach Anleitung eines Architekten geschehen, denn nicht nur die Statik war von Bedeutung; die Statue musste dem umgebenden Environment angepasst werden; das Material konnte nicht beliebig gewählt werden und musste auch Transporten standhalten; sie musste von jeder Seite, also auch von oben und unten gesehen, proportional stimmen; usw.

Keine leichten bildhauerischen Voraussetzungen also, doch die Probleme mussten gelöst werden, denn die gottgleichen, übergroßen Darstellungen eines Pharao in Ägypten oder die griechischen Monumente verlangten nach einer entsprechenden Dimension und konnten nicht nach Gutdünken des Künstlers entworfen werden.

Beispielsweise gab es die Gesetzmäßigkeit, dass eine Statue aus verschiedenen Blickwinkeln differenziert gesehen wurde. Oder dass ein alleine freistehender Koloss nicht die gewünschte Riesenhaftigkeit zeigte, wenn nicht in Relation eine Figur normaler Körpergröße gesetzt wurde oder, wie bei der ägyptischen Sphinx, aus ebendiesem Grund ein Tempel zwischen ihre Klauen platziert wurde.

Wenn das nicht möglich war, musste ein Trick angewendet werden. Die Relationen des Körpers wurden verändert: Aus einiger Entfernung gesehen, wirkt eine menschliche Figur mit großem Kopf klein, eine Figur mit kleinem Kopf wirkt groß.

Mit Fortschreiten der Zeit und mit Einsetzen rationaleren Denkens, der Erforschung der Natur und freierer Interpretation, ohne götterbezogenen, starren Dogmatismus, wurden die Skulpturen kleiner und entzogen sich Regeln wie Erhebung des Herrschers ins Gottgleiche oder Einbeziehung der Statik. Ein neues Bild des Menschen, wie jenes des Vitruvius in der Renaissance, wurde erschaffen.

Das Einsetzen der Naturphilosophie mit ihrem Forschen nach den Gesetzen der Natur brachte Künstler wie Leonardo da Vinci oder Albrecht Dürer hervor, mit ihrem Suchen nach Vitruvius’ Ideal und ihrem eigenen Maßstab, der der Wissenschaft galt und neue Regeln hervorbrachte.

Der Körper wurde vermessen und eingeteilt, um den Schlüssel der optimalen Proportionen zu finden; der französische Maler und Poet Hilaire Pader (1607 - 1677) teilte den Körper bis in die letzte proportionale Feinheit (die weibliche Körperlänge bestimmte er mit siebeneinhalb Kopfgrößen).

Aber nicht nur der Mensch wurde in einer geradezu mathematischen Exaktheit geprüft; die Architektur und ihre Darstellung wurde zu einer perspektivischen Meisterleistung. Gemälde und Fresken in Kirchen wurden genau so platziert, dass sie sich vom Betrachter aus auf annähernder Augenhöhe befanden oder wurden so geneigt, dass die Illusion einer realen Darstellung erreicht wurde; es wurde nach dem Zentrum gesucht, welches die optimale Positionierung erlaubte. Die richtige Perspektive, um dem Menschen das surreale Empfinden von Echtheit zu geben, war von großer Wichtigkeit.

Im krassen Gegensatz zu dieser rational-mathematischen Perspektive behauptete sich plötzlich eine neue Sichtweise: Paolo Veronese (1528 - 1588, geb. in Verona, Italien) trat auf das geschichtliche Parkett. Er setze in seinen Gemälden verschiedene Fluchtpunkte; er versetzte das Auge in eine Situation, die es verschiedene Richtungen gleichzeitig wahrnehmen liess; als ob Hunderte verschiedene Augen jeden beliebigen Punkt des Gemäldes aus einem anderen Winkel betrachteten.

Künstler wie Signorelli, Botticelli oder Raphael hatten tragende Bedeutung, dass die Einteilung der Gemälde in geometrischer Perfektion immer intensiver wurde.

Sandro Botticelli’s (1445 - 1510) Anbetung der Heiligen Drei Könige zum Beispiel ist ein Meisterwerk geometrischer Komposition. Eine Ansammlung verschieden großer Quadrate innerhalb eines Kreises, in versetzten Winkeln um eine vertikale Achse zentriert, demonstriert höchste mathematische Exaktheit und bezeugt das perfektionistische Denken nicht nur dieses herausragenden Künstlers und vieler anderer wie di Cosimo oder Botticini, sondern den Geist der Frührenaissance und des einsetzenden Humanismus; also einer Zeit der optimistischen Einschätzung, dass die Menschheit zu einer besseren Existenzform findet und der Entwicklung eines Gesellschaftsideals, welches jedem Menschen die bestmögliche Persönlichkeitsentfaltung ermöglichen soll.

Geometrische Kompositionen bildeten einen wichtigen und grossen Teil der Malereigeschichte; vertreten von grossen Meistern wie Leonardo da Vinci oder Rembrandt bis hin zu Degas, Renoir oder Mondrian.

(Quellen: The painter's secret geometry; Charles Bouleau, 1963)

Der Verfasser möchte mit seinem Werk nicht an diese Tradition anschliessen. Er sieht seinen Beitrag nicht als Darstellung einer ausschliesslich visuell-harmonischen Komposition im Stil und Sinn der alten Meister, sondern als philosophisch zu sehende theoretische Neukonzeptionierung von Fotografie/Grafik/Geometrie und religiös-christlichen Anschauungen anhand eines geometrisch konstruierten Symbolismus.

 

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* Frank Zöllner: Die Bedeutung von Codex Huygens und Codex Urbinas für die Proportions- und Bewegungsstudien Leonardo da Vincis.

** Heinrich Institoris/Jakob Sprenger: Der Hexenhammer, Malleus Maleficarum, 1487. Das, um die Päpstliche Bulle und gefälschte Approbationen Kölner theologischer Professoren erweiterte Buch erreichte eine Auflage von 30.000 Stück.

 

 

 

# 3. The cross

The human body as a carrier of a religious symbolism.

 

3.1. Die Determination von Winkeln am menschlichen Körper.

Die Geometrie beschreibt einen Winkel als den Teil einer Ebene, der von zwei geraden Strahlen  mit gemeinsamem Anfangspunkt begrenzt wird, es ist also namentlich ein Verfahren, welches in einer Ebene, der Zweiten Dimension seine Anwendung findet.

Der menschliche Korpus ist ein Objekt der Dritten Dimension, was die Gesetzmäßigkeit nicht ändert, sondern die Dritte Dimension als eine Summe von zweidimensionalen Strahlen beschreibt.

Im fotografischen Werk findet demnach eine Summenreduktion statt, übertragen auf eine zweidimensionale Oberfläche, was im weitesten Sinne eine Fotografie als summenreduzierte Beschreibung eines oder mehrerer dreidimensionaler Objekte gelten ließe.

 

3.2. Das Kreuz.

Die Symbolik ist vielfältig und es kann an dieser Stelle nicht auf alle Bedeutungen eingegangen werden. 

Hervorgehoben ein paar der wichtigsten:

- Die älteste zugeschriebene Bedeutung (die Verwendung der Kreuzform ist bis ins Paläolithikum nachgewiesen), die die vertikale Linie dem Himmel, die horizontale der Erde zuweist und damit für die Verbindung der beiden gegensätzlichen Elemente steht.

- In Asien steht die vertikale Linie für die aktiven (männlichen) und die horizontale Linie für die passiven (weiblichen) Kräfte.

- Das Symbolisieren der Zahl 4 für die Himmelsrichtungen.

- Im Christentum gewann das Kreuz erst nach und nach an Bedeutung.*

Wurde es in der altgriechischischen Fassung des Neuen Testaments noch als ,Holz‘ bezeichnet, fand sich erst im 1. Jh. n. Chr. in der lateinischen Übersetzung der Begriff Kreuz (crux, lat.). 

Es steht 1) für den Opfertod Jesu, der mit seinem Tod die Verbindung/Versöhnung zwischen Gott und Mensch wiederherstellt und 2) für die Verbundenheit des Menschen mit der Erde (horizontale Linie) und dem Göttlichen (vertikale Linie).

In okzidentalen Kulturen steht das Kreuz als Symbol für den Tod als auch für den Sieg über den Tod (Grabkreuze).

So unterschiedlich in seinen Ausformungen (Griechisches Kreuz, Lateinisches Kreuz, Petruskreuz, Antoniuskreuz, Gabelkreuz, Andreaskreuz, Doppelkreuz, Byzantinisches Kreuz, Russisches Kreuz, Papstkreuz, u.a.) haben alle Kreuzformen eines gemeinsam: Ein Zentrum, gebildet von Schenkeln, die im 90-Grad-Winkel zueinander stehen. (Ausnahmen sind das Christusmonogramm PX und das Y-förmige Schächerkreuz, welches in seiner Form genau der Anatomie der weiblichen Klitoris entspricht. Die unter der Haut liegenden crura oder Schenkel sind etwa 10 Zentimeter lang und besitzen die Form eines umgekehrten Ypsilons.) 

Die Überschneidung der beiden Achsen gilt als Symbol für den Mittelpunkt.

Und hier hakt das fotografische Werk mit seinem Konzept der anthropometrischen Zentrierung ein.

Der Verfasser wählt als Mittelpunkt für die Platzierung des Kreuzes nach subjektiver Methode vorzugsweise die Körpermitte, es liessen sich jedoch andere Zentren bestimmen. Der Körpermitten-Fixpunkt ergibt sich aus einer einfachen Überlegung, nämlich der Zuordnung des Werks an die erotik-affine Grundkonzeption, welche nach der Bedeutung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale ausgelegt ist (siehe ,2.3. Die Vulva als Zentrum‘).

Des weiteren ergeben die Extremitäten des Körpers natürliche anatomische Strahlen, die Winkel-Schenkel.

 

3.3. Die Berechnung des Kreuzes.

Ein Kreuz besteht naturgemäß aus den sog. Komplementärwinkeln, was bedeutet, daß die Kreuzform aus den anatomischen Geraden, welche in 90° zueinander stehen, herausfiltriert werden muss.

Wie der menschliche Körper, besteht die Kreuzform aus kongruenten Punktmengen (Deckungsgleichheit) im euklidischen Raum, worin sich ein oder mehrere Zentren (am Körper) definieren lassen.

Um die dem Grundkonzept des fotografischen Werkes entsprechende Kreuzform festzulegen, bedingt es, Scheitelpunkt und Strahlen einem definierten Zentrum zuzuweisen.

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[Konstruktion des Kreuzes: siehe Bilder-Sektion, Abb. 1.

Die Sechser-Unterteilung des 90°-Winkels in 15°-Schritten entspricht der anatomisch-harmonischen Architektur des menschlichen Körpers; unabhängig davon, welches der Zentren (Vulva, Rektum, Bauchnabel, Sternum, Gesicht) gewählt wurde.]

 

3.4. Konzept 1: Quartiäre Geschlechtsmerkmale

1]

Die Winkelungen des Körpers und die damit verbundenen Linien, die humanen Isothermen, können, in ausgewogener Form, proportionale Ästhetik schaffen. Wohlgeformtheit bedeutet Attraktion - nicht nur beim Menschen, auch in der Tierwelt dominieren ausgeprägte Geschlechtsmerkmale das Paarungsverhalten. Wenn es dort Merkmale wie z. B. ein aufgestellter Hahnenkamm, ein großes Geweih oder ein geblähter Frosch sind, so sind sie beim Menschen durch post-geschlechtsreife Zeichen wie z. B. Brüste oder Rundungen am Körper anzutreffen. Die Attraktion ist umso größer, je ausgeprägter diese Merkmale sind.

Die vom Verfasser visualisierten Linien, über den Körper gelegt, bilden ein Raster, welches, je nach Richtungsführung entweder die Rundungen herausarbeitet oder, wie in den Darstellungen besonders hervorgehoben, ins Zentrum, die Körpermitte, führt. Wie einem hypothetischen Magneten gehorchend, ziehen die Linien, einer Richtung folgend entlang verschiedener, den tertiären Geschlechtsmerkmalen zugeordneten Bahnen; strahlen ins Zentrum und benutzen die Zweckmäßigkeit des primären Geschlechtsmerkmals, in diesem Fall der Vulva.

Da die Schnittpunkte aber nicht einer zufälligen Geografie unterliegen, sondern dem Gesetz der topologischen Körperarchitektur folgen, ergibt sich ein ein weiteres konzeptionelles Merkmal: Das Gesetz des Kreuzes.

Das schon beschriebene Zentrum liegt immer im Schnittpunkt zweier Schenkel, die sich als Kreuzform konstruieren lassen. Mit anderen Worten: in jedem menschlichen Körper befindet sich der vorrangige und wichtigste katholizistische Symbolismus - das Kreuz, an dem Christus sich den Menschen geopfert hat.

Die Vulva, die weibliche Scham, als zentraler Teil dieses Symbols ist also nicht nur biologisch-anatomisch zu bewerten, sondern ist auch Bestandteil, wenn nicht Mittelpunkt einer religiösen Geometrie. Die Frage stellt sich, inwieweit aus historischer Sicht diese Erkenntnis maßgeblich ist. Denn wurde die Vulva ursprünglich in das Kreuz integriert oder - die noch monumentalere Sichtweise - wurde die Kreuzform als Symbolismus gewählt, der sich um die menschlichen Genitalien zentriert bzw. ihren Wichtigkeitsgrad hervorhebt?

Welche der beiden Möglichkeiten auch gültig ist, in jedem Fall steht fest, dass das Kreuz nicht in zufälliger Weise einer stilisierten menschlichen Körperform entspricht (bemerkenswert auch das weibliche Zeichensymbol - Kreis und Kreuz), sondern darüber hinaus Bestandteil einer übergeordneten Anschauung ist, die noch vor der christlichen „Zuweisung“ als elementar sexuell zu definieren ist.

Das in jedem Körper innewohnende, auf die Genitalien hinführende imaginäre Kreuz kann, im Sinne eines zusätzlich erotik-affinen Symbols, als quartiäres Geschlechtsmerkmal beschrieben werden - der (weibliche) Körper als Träger eines genitalen Katholizismus, das christliche Kreuz als stilisierte Offenbarung der menschlichen Libido.

 

2]

Den göttlichen Heiland an eben dieses Kreuz zu schlagen, entbehrt aus jener Sichtweise heraus nicht eines gewissen Anachronismus, wenn nicht sogar eines fatal anmutenden Zynismus. Der Erlöser, menschenmassen-anziehend, charismatisch, kontroversiell, der Inbegriff dessen, was aus heutiger Sicht als Sekten-Guru oder Marketing-Genie bezeichnet werden würde, beendet seine Karriere auf spektakuläre Weise in doppelter (sein Körper bildet genau so wie das Holz, an das er geschlagen wurde, Kreuzform), fast übertriebener Symbolik, in einer fast piktographisch anmutenden Form.

Zynisch wirkt diese Verherrlichung - weniger, weil der Mythos berichtet, dass schon zu Christus‘ Lebzeiten eine grosse Anhänger-Schar seinen Taten, Worten und Befehlen folgte, sondern vor allem in Anbetracht der Tatsache, für welch unfassbares Leid der Kult im Laufe der Jahrtausende verantwortlich ist.

Vom Altertum über das Mittelalter bis in die frühe Neuzeit bestimmt der Jesus-Kult die kirchlichen, politischen und allgemein menschlichen Geschicke. Um hier einige zu nennen;

- Die Verfolgung, Enteignung und Ermordung der Nichtchristen im alten Rom. 

- Die Verfolgung, Enteignung und Ermordung anderer christlicher Richtungen (z.B. Arianer). 

- Die Kreuzzüge. 

- Die Heilige Inquisition und Hexenverfolgung  inklusive der Beschlagnahme des Besitzes der Opfer. 

- Völkermord, Raub und Versklavung in Lateinamerika mit maßgeblicher kirchlicher Hilfe - es gibt Schätzungen von bis zu 20 Millionen Opfern. 

- Mitwirkung der Kirche am Dreißigjährigen Krieg.

Diese Liste kann fortgesetzt werden, aber natürlich muss auch die positive Seite der Kirche in Betracht gezogen werden - jedoch kann ohne große Mühe die Behauptung aufgestellt werden, dass ein offensichtliches Missverhältnis zwischen Positiv und Negativ herrscht.

Wer in unserer zivilisierten und aufgeklärten Welt hat eine Vorstellung davon, was nur eine der geringeren Strafen an Pein in sich trägt wie z. B. das stundenlange Tragen eines Büßerhemdes** (oft auch nach einer vorausgegangenen Auspeitschung). Wie soll der menschliche Verstand auch nur annähernd erfassen, was leichte oder sogar strenge Folter bedeutet - und das in millionenfacher Ausübung, angewendet in fast jeder erdenklichen, der Phantasie des Menschen zur Schmerzerzeugung keinen Grenzen unterliegenden Form? 

Der Verfasser ist der Meinung, dass jede einzelne Stunde, die jemals ein Mensch unter der Folter verbracht hat, eine Stunde zuviel war. Summierte man alle im Namen der Kirche verabreichten Qualen, ergäbe das eine geradezu unvorstellbare Zahl. Wie oft wurde wohl der Name des einzigen, rechtschaffenen Gottes und seines ,eingeborenen Sohnes‘ schon verflucht? Von Unschuldigen, die in seinem Namen verstümmelt oder hingerichtet wurden?

All dieses Leid entbehrt nicht einer gewissen Qualität - nämlich einer geradezu obszönen Abartigkeit und menschlich-religiöser Verirrung, wofür das Kreuz steht, mit all seiner irregeleiteten und destruktiven Macht.

Und gerade jener Christus, der Verantwortliche, der Sohn Gottes (diese Bezeichnung dient - wie viele andere; vgl. z. B. die Namen der Feiertage - als Stütze für den laienhaften, naiven Intellekt), der Wirt und gleichzeitig Überträger einer religiösen Masseninfektion, wird im Mythos in einem inszenierten Akt an das Kreuz, mit all seiner vielfältigen Symbolik, geschlagen; nach der Theorie des Verfassers könnte man auch sagen, er wurde in eine imaginäre Vulva einverleibt. Diese Visualisierung verhöhnt die Religion an sich und den blinden Glauben ihrer Anhänger in  nicht beabsichtigter, aber der These des Verfassers entsprechenden Form.

Denn: Es gibt keinen Beweis, dass es wirklich ein Kreuz war, an dem Jesus den Tod fand. Im Neuen Testament ist die Rede von ,Baum, Holz' (hebr.: etz) - erst die Übersetzung ins Lateinische machte daraus das crux. Das heisst, es musste erst ein Symbol gefunden werden, und zwar ein aussagekräftiges und memorables.

Und was wäre passender als eines, in das sich sowohl ein märtyrerhafter Heldentod als auch das genitale Zentrum, die geheime Repräsentanz einer häretischen Sekte, hineininterpretieren lassen. Dieser gewisse Sex-Appeal, welcher dem Kreuz anhaftet, ist jenes quartiäre Geschlechtsmerkmal, welches der Verfasser im menschlichen Körper ausfindig macht.

 

3.5. Konzept 2: Jesus als sexuelles Symbol

1]

Vor einem soziokukturellen- und politischen Hintergrund wie dem in Palästina (früher: Judäa, Galiläa, Samaria) bzw. dem der Römerzeit scheint es durchaus gerechtfertigt, ein Entstehen kontrapolitischen Denkens oder anarchistischer Strukturen einzuräumen. Bis in die Neuzeit lässt es sich nachverfolgen, daß zu jedem Zeitpunkt der Geschichte Unterdrückungsregime oder dominante Regierungsformen zwangsweise ein Widerstandsdenken generieren, von einfachem Ausweichen auf freigeistiges Handeln bis hin zu gewalttätigem Radikalismus, darstellbar durch eine einfache Formel: Je strikter die Unterdrückung des Volks, desto stärker der revolutionäre Wille.

In allen Kulturen, von Japan über Kambodscha, China, Russland, den Nahen Osten, Afrika oder Südamerika; es gibt keine ethnische Gruppe oder Nation, die frei von dieser ursächlichen menschlichen Regung des Aufbegehrens gegen eine stärkere, den Willen aufzwingende Macht wäre.

Wenn man bedenkt, welche geografische Ausbreitung die Macht Roms besaß (von Portugal bis Mesopotamien und von Schottland bis nach Nubien), gegründet auf territorialem Expansionswillen und umgesetzt durch großteils kriegerische Aktion, ist es ein kleiner Schritt, sich vorzustellen, wie massiv der Widerstand dem Imperium gegenüber gegolten hat, von den Samnitenkriegen über die Punischen Kriege, dem Römisch-Syrischen Krieg, dem Markomannenkrieg mit den germanischen Stämmen - um nur einige zu nennen - war das Römische Reich  (S.P.Q.R. - Senatus Populusqe Romanus) ein ungern gesehener Gast in vielen Regionen.

Nachvollziehbar ist, dass in Judäa bis zum Jüdischen Aufstand (66 n. Chr.) und der darauffolgenden Jüdischen Diaspora (Hinrichtung und Kreuzigung zehntausender Juden) ein gärender, nicht offener Widerstand gegen die Römer herrschte, dessen Charakter vielerlei Ausformungen besessen haben muss.

 

2]

Der Verfasser behauptet, dass einer dieser Widerstände eine dem Freidenkertum und Anarchismus im Geist nahestehende Sektenform hervorgebracht hat; eine Sekte, welche - ähnlich dem damals herrschenden Bacchuskult - als primäre Ausdrucksform die menschliche Körperlichkeit wählte. Eine Sekte, die als Zeichen der Ablehnung der römischen Herrschaft die Huldigung der Geschlechtsmerkmale betrieb, eine Sekte, die man als frühe sexistische Vereinigung beschreiben könnte; womöglich der Polygamie und Homosexualität anhing oder dem späteren Hexensabbat ähnelnde Riten vollzog. Termini wie ,Abendmahl‘ oder ,Treffen am Ölberg‘ ließen sich leicht als rituell zuordenbare Begriffe deuten.

Geheime Absprachen, regelmäßige, festartige Treffen, das Wählen bestimmter Treffpunkte sind typische Merkmale eines Hexensabbats oder einer Sekte im Allgemeinen, unabhängig, ob es sich um Hexer oder Jünger handelt. Verschwörungstheorien oder wundersame Erscheinungen sind weitere sektiererische Kennzeichen; fast geheimbündlerisch wirkt das Aussparen von Frauen in rein männlich zusammengesetzten Zusammenkünften.

Absage an vorherrschende religiöse Vorstellungen und das Entwerfen neuer Theorien sind weitere, fast stereotypische Elemente der Sektenlehre - bei Jesus zu finden in alttestamentarischer Wiederbelebung als ,Reich Gottes‘ oder ,Königreich des Vaters‘. Sektiererische Rückschlüsse lassen sich auch aus den (synoptischen) Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas ziehen, die exegetisch kohärent das Wirken Jesu als ,Predigen‘ bezeichnen.

Der Verfasser möchte im Weiteren die ,Gemeinde Jesu‘ als Widerstands-Sekte erfassen und beschreiben, und zwar als Sekte mit nicht geringen Zielen: Was - um möglichst großen Impact zu erzielen - wäre hilfreicher, als sich in Geheimniskrämerei zu üben und seine ,Apostel‘ auszuschicken, um Mitglieder anzuwerben und sich - in größenwahnsinniger, arroganter Weise - ,Sohn Gottes‘ zu nennen, gespickt mit Erzählungen von wundersamen Kräften und übernatürlichen Erscheinungen. Einem intellektuell ungebildeten, von wissenschaftlicher Aufklärung fernen Zuhörer muss solch erzählerische Mundpropaganda, wenn schon nicht glaubwürdig, so doch faszinierend erscheinen. Verweise auf wundersame Heilkräfte sollten einem dem Sterben geweihten Leprakranken in nachvollziehbarer Weise als ,göttlich‘ erscheinen. Selbst der aufgeklärte Mensch der Neuzeit klammert sich an die geringste Hoffnung, wenn die Medizin versagt. Ein fruchtbares Gebiet und eine fruchtbare Zeit also, um Anhänger zu gewinnen und sich als ,Sohn Gottes‘ in nachdrücklicher Weise zu positionieren.

Die Theorie des Verfassers ist nicht neu, denn schon in der Antike existierten häretische christliche Sekten. Das Erwähnenswerte an der Theorie jedoch ist, dass sie den Wanderprediger Jesus und seine Gemeinschaft selbst als (erste christliche) Sekte definiert, welche - ähnlich den Adamiten****, die rituellen Nudismus und freie Liebe pflegten - einem sexualorientierten Dogma folgten.

Im Grunde genommen war die Jesus-Sekte selbst häretisch. Vielleicht nicht so machtorientiert wie die später folgende christliche Kirche, denn spätere Christen, welche sich auf die neutestamentarische Jesus-Lehre stützen, verfolgten Häretiker aufs Strengste. Gnostiker, Katharer, Manichäer, Waldenser - um einige zu nennen - endeten im Regelfall am Scheiterhaufen. Über 40 Hauptströmungen von häretischen Sekten entstanden im Laufe der Jahrhunderte, die vielen Abspaltungen nicht eingerechnet - alle wurden verfolgt, um die Machtposition der Klerus zu halten, denn die Häretiker standen mit ihren progressiven Ideen und oppositionellen Meinungen der starren christlichen Doktrin im Wege.

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3]

Schon die Geburt Jesu ist in der Bibel beschrieben wie ein lächerlich anmutendes Märchen und zeigt, wie armselig der christliche Glauben - und wahrscheinlich der Glaube an Religion an sich - ist: Joseph wollte seine vom heiligen Geist schwangere Frau aus Frömmigkeit verlassen, doch es erscheint ihm im Traum ein Engel, welcher ihm gebietet, es nicht zu tun, da seine Gemahlin einen Sohn gebären würde, welcher sein Volk selig mache von seinen Sünden. Mit einem Stern als Wegweiser kommen die Weisen aus dem Morgenland, um den prophezeiten König der Juden anzubeten. König Herodes erschrickt zwar, aber beschliesst, das Kindlein auch anzubeten und lässt nach dem Neugeborenen suchen. Anschliessend befiehlt den Weisen Gott im Traum, dass sie den Heimweg nicht (wieder) über Herodes antreten sollten. Nachdem dies geschehen ist, erscheint wieder der Engel des Herrn in Josephs Träumen und rät ihm, vor Herodes zu fliehen, ins Land Ägypten. Enttäuscht über den Verrat durch die Weisen, beschliesst Herodes, alle bis zweijährigen Kinder töten zu lassen, wodurch sich abermals eine Prophezeiung erfüllt. (Jer. 31,15.) Im Exil in Ägypten erscheint Joseph wieder der Engel und gibt ihm den Rat, nach Israel zu ziehen. Als aber Joseph feststellt, dass in Israel Herodes' Sohn Archelaus herrscht, fürchtet er sich, woraufhin er im Traum den Befehl Gottes empfängt, nach Galiläa zu ziehen.

Die Geschichte von Jesus' frühen Jahren wimmelt von (erfüllten) Prophezeiungen und im Traum erschienenen, ratschlagenden Engeln, so wie sein weiterer Lebensweg, wo noch der Teufel auftritt, um Jesus zu versuchen (Satan erscheint Jesus in der Wüste, führt Jesus nach Nazareth und auf einen Berg, wo er ihm alle Reiche und Herrlichkeit der Welt zeigt) - doch Jesus bezwingt den Teufel.

Die weitere Geschichte ist hinlänglich bekannt; der gloriose Aufstieg Jesu, ein paar wundersame Geschehnisse, doch: Widersacher, Neider, ein - wer hätte es gedacht -Verräter, welcher aus Reue und Selbstzerwürfnis Suizid begeht; daraufhin der tragische Zusammenbruch der so erfolgsversprechenden Karriere, spannende Verwicklungen (Pilatus sieht sich als nicht zuständig, Herodes ebenfalls nicht), gekrönt von einem herzzerreissenden Abschied - geradezu der Traum jedes Drehbuchautors. Die Story beinhaltet in der Tat ausreichend Stoff, um eine große Zahl leichtgläubiger Menschen zu beeindrucken.

Zur wundersamen, geschlechtslosen Empfängnis von Jesus' Mutter, Maria, sei erwähnt, dass in frühen Texten Jesus noch Geschwister hatte. Dies passte jedoch nicht ins Bild, denn Jesus war frei von der Erbsünde - also musste es auch seine Mutter sein. Deshalb erliess Papst Pius 1854 das Dogma, dass auch Maria selbst von ihrer Mutter ohne Fleischeslust empfangen wurde. Jesus' Geschwister wurden zu Josephs unehelichen Kindern aus früherer Ehe umfunktioniert und später zu Vettern und Cousinen. Geschichte lässt sich auch schönreden, besonders leicht dann, wenn sie von vornherein keine Beweise vorbringen kann.

Ein Gebiet der Theologie, die Theogynäkologie, beschäftigte sich lange Zeit mit der Frage, wie die Mutter Gottes während des ganzen Empfängnis- und Geburtsvorgangs ein intaktes Hymen behalten konnte.

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Was ist eine Prophezeiung?

Mathematisch benötigt es dazu eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Hierzu ein Blick ins Lehrbuch:

„Immer, wenn für eine Erscheinungsgruppe eine kausale Gesetzmäßigkeit bekannt ist, ist es möglich, den Ausfall eines Versuches oder einer Probe mit Sicherheit vorauszusagen, also das Eintreten eines bestimmten Ereignisses in der Zukunft mit Sicherheit zu prophezeien.

Ist jedoch für die betreffende Erscheinungsgruppe nur eine statistische Gesetzmäßigkeit bekannt, dann kann man zwar eine Voraussage über ein Kollektiv von Versuchen machen, eine Prophezeiung über den Ausfall eines einzelnen Ereignisses in der Zukunft ist jedoch mit Sicherheit nicht möglich.

Macht man dennoch eine Prophezeiung, so kann sie, wenn man Glück hat, eintreffen; wir haben dann den Ausfall des Ereignisses ,erraten’. Sie kann aber auch falsch sein - wir haben dann eben falsch geraten. (…)

Die Apriori-Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses, das durch das Eintreffen von untereinander gleich wahrscheinlichen, möglichen Fällen realisiert werden kann, ist also gleich dem Quotienten aus der Anzahl der günstigen durch die Anzahl der möglichen Fälle. Ist g = 0, also für das betreffende Ereignis a priori kein Fall günstig, dann ist w = 0. w = 0  bedeutet also die Unmöglichkeit für das Eintreffen eines Ereignisses. Ist umgekehrt g = m, also für das betreffende Ereignis a priori jeder Fall günstig, dann ist w = 1; w = 1 bedeutet also die Sicherheit für das Eintreffen eines Ereignisses.“

(Quelle: Einführung in die theoretische Physik; Reinhold Fürth, 1936; S. 91ff)

Eine Prophezeiung lässt sich mathematisch berechnen, es gibt sogar Formeln dafür - berühmt ist die Newtonsche Formel für die Wahrscheinlichkeitsberechnung.

Für ,den Herrn, der durch den Propheten spricht' - also Gott - ist Mathematik oder Physik wahrlich kein Problem; er kann sich nach Belieben über physikalische Gesetze hinwegsetzen und, noch besser, eintretende Ereignisse vorausplanen und sie durch Propheten verkünden.

Warum aber macht er alles so kompliziert; lässt den Menschen mühsam den Weg finden, lässt ihn leiden? Die Frage ist einfach zu beantworten: Er will die Menschen testen, er will, dass sie reinen Herzens und im festen Glauben an ihn handeln.

Das bringt uns zur nächsten Frage: Wann sind die Testversuche abgeschlossen? An wieviel Millionen müssen die Experimente erprobt werden? Er könnte doch gleich den reinen Menschen entwickeln und alles Siechtum mit einem Schlag ausmerzen. Doch diese Vorstellung ist naiv - muss doch ein wesentlicher Faktor in die Gleichung gesetzt werden: Satan.

Und schon beginnt das Problem wieder von vorne. Es ist wie ein ewig gleiches Spiel, lustig zwar, doch auf Kosten von unzähligen Menschenleben. Den Spaß haben die Spieler, die Gläubigen sind die Spielfiguren - millionenfaches Siechtum, Tod und Verzweiflung aufgrund eines Buches.

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Fromme Gleichnisse, allerlei Weisungen und eine dramaturgisch aufgebaute Handlung bis zum bitteren Ende runden die Jesus-Geschichte ab. Seine wundersamen Heilungen - darunter auch Maria Magdalena, welche an einer ,schweren Krankheit' litt - würden darauf schliessen lassen, dass er Arzt war, jedoch gibt es keine derartigen Erwähnungen. Selbst als besserer Quacksalber kann er nicht eingestuft werden, denn mit einer derartigen Qualifikation könnte vieleicht ein Bluterguss behandelt werden, nicht aber ein Leiden wie jenes der Frau, welche zwölf Jahre an Blutungen, oder des Jungen, welcher an Symptomen einer Epilepsie litt. Die Aufweckung der toten Tochter des Synagogenvorstehers lässt schliesslich keinen Zweifel mehr daran, dass Jesus kein Arzt war, denn derartiges lässt sich tatsächlich nur durch Wunderheilung erklären. Natürlich steht es jedem Menschen frei, daran zu glauben oder nicht, aber dies zeigt in lähmender Weise wiederum, dass es eine reine Glaubensfrage - und kein wissenschaftlich zu erklärender oder beweisbarer Tatbestand ist.

Sagenumrankte Personen übten immer schon Faszination und Anziehung aus. Heute sind es - egal ob Popstars, Sportler oder Politiker - jene, welche ihr Image in bestmöglicher, massentauglich wirkungsvoller Weise transportieren und oft ist der Wert umso höher, je weniger aus ihrem alltäglichen Leben bekannt ist und je mehr ihre herausragenden Einzeltaten betont werden - warum sollte sich das von der Antike bis heute grundlegend geändert haben.

 

4]

Bleibt die Frage, ob Jesus selbst an einer Krankheit litt.

Es besteht die Möglichkeit, dass er - nach Richard Dawkins - ein hochgradiger Theist war oder die ,Verehrung von Verständnislücken' (alles, was wir nicht verstehen oder erklären können, wird Gott zugeschrieben) gezielt nutzte.

Man kann aber auch davon ausgehen, dass eine wahnhafte Störung (früher: Schizophrenie) oder eine schizophrene Psychose vorlag. Die Wesenszüge Jesu lassen darauf schliessen, ebenso das Auftreten als Führer einer Sekte. Nachfolgend ein paar psychotische Erkrankungen, deren Muster Jesus zugeordnet werden könnten.

a) Liebeswahn: Hier fühlt sich der Betroffene von einer Person - auch einer höherrangigen - geliebt, auch ohne sexuelle Komponente. Problematisch wird es dabei für den Betroffenen dadurch, dass er mit zunehmender Intensität mit jener Person in Kontakt treten will; was bei Jesus als symptomatisch zu bewerten ist.
b) Grössenwahn bzw. Selbstüberschätzung (Hybris;Vermessenheitsverzerrung): Merkmale hierfür sind übersteigerte Geltungssucht, Selbstüberschätzung und Selbsterhöhung von Fähigkeit und Begabung.
c) Religiöser Wahn: Der Glaube, von einer überirdischen Macht mit einem besonderen Heilsauftrag gesandt zu sein. Die häufigsten Inhalte sind die Überzeugung, mit Gott in direkter Verbindung zu stehen und/oder ein Messias zu sein. Dies muss nicht zwangsläufig aus religiösem Hintergrund resultieren - eher verantwortlich dafür sind menschliche Konflikte wie z. B. Eheprobleme. (Es gibt keinen Hinweis darauf, ob Jesus verheiratet war; seine zwischenmenschlichen Beziehungen zu Frauen aber sind unumstritten zweifelhafter Natur.) Weiters ist der Betroffene auf seinen Wahninhalt fixiert - sein gesamtes Denken und Handeln basiert darauf und macht ihn immun gegenüber kritischer Argumentation (siehe Apostel-Fragen, Pilatus, Herodes). Charakteristisch ist auch der Wechsel zwischen Dialog und sich stetig wiederholenden Monologen.
d) Jerusalem-Syndrom: Der Betroffene identifiziert sich mit einer heiligen Person und gibt sich als solche aus. Diese Identifizierung geht einher mit entsprechender Selbstdarstellung und wird begleitet von öffentlichen Predigten und Gebeten des Erkrankten. Auch legen jene Personen häufig ihre Kleidung ab und hüllen sich in weite Gewänder oder Laken.
e) Induzierte wahnhafte Störung (Infektiöses Irresein; Contagio psychica): Bei dieser Krankheit überträgt (induziert) der Psychose-Erkrankte die Wahnvorstellungen auf eine oder mehrere Personen (Apostel). Sie bestärken sich gegenseitig in einer Überzeugung, bis ein chronischer Krankheitsverlauf vorliegt. Günstigste Form einer therapeutischen Hilfestellung ist, sich vom wahn-induzierenden Partner abzuwenden (Judas).

(Quellen: Wikipedia)

Aus heutiger Sicht würde eine derartige Person keinem psychopathologischen Gutachten standhalten und mit großer Sicherheit einer psychiatrischen Behandlung unterzogen werden. 

Der Verfasser ist der Überzeugung, dass Jesus an einer - möglicherweise oben beschriebenen - Psychose litt, vielleicht aber auch an einer affektiven Störung wie der manisch-depressiven Erkrankung, heute Bipolare Störung genannt. Typisch dafür wäre das charismatische Erscheinungsbild der betroffenen Person während der manischen Phase, in welcher starke Kreativschübe auftreten können und Ziele mit hohem Engagement verfolgt werden, weshalb zu den Betroffenen durchaus erfolgreiche Menschen zählen können.

Auf der anderen Seite wird Jesus oftmals derart beschrieben, als trüge er die Last der Welt oder wird von Schuldgefühlen oder Todesahnungen geplagt - durchaus Zeichen einer depressiven Verstimmung. Aber ein psychologisches Gutachten sei Spezialisten überlassen.

Verschiedene Autoren, Psychologen und Psychiater haben dieses Thema behandelt, wie z. B. O. Holtzmann's ,War Jesus Extatiker?' von 1903 oder A. Schweitzer's ,Die psychiatrische Beurteilung Jesu' von 1933. D. F. Strauß stellte schon 1835 fest, dass Jesu Fanatismus „an Wahnsinn grenzt“.
Seine Taten und Worte wurden vielfach analysiert - hier eine kurze Liste, was ihm zugeschrieben wird:

- Stimmenhören, Visionen

- Epilepsie

- Verbale Explosionen und Aufrufe zu Gewalt

- Instabiler Geisteszustand, Irrationalität

- Messianisches Selbstbewusstsein, Grössenwahn

- Aufruf zur Selbstverstümmelung

 

5]

Jesus, der als kleinwüchsig und von nicht attraktivem Äußeren beschrieben wird, hatte umso mehr Grund, in eine Führerrolle zu schlüpfen, als dass sein sexuelles Verlangen durchaus vorhanden war und zwar auf eine recht undurchsichtige Art und Weise. Nach aussen hin das Himmelreich propagierend, schien diese geheuchelte Unterdrückung des Sexualtriebs nach innen hin andere Knospen zu treiben.

Einer seiner ,Lieblingsjünger' - Johannes - lässt an einigen Stellen durchblicken, wie Jesus seine Nächstenliebe wirklich praktizierte. (Man beachte die Darstellung von Johannes auf Leonardo da Vincis Gemälde ,Das Abendmahl'. Johannes (an Jesu rechter Seite) ist ein femininer Jüngling, der zu Recht von Historikern auch als Maria Magdalena gedeutet wird.)

Johannes hatte bis zu seinem Lebensende keinen Sexualverkehr mit dem anderen Geschlecht, was nicht aus einer Homosexualität heraus resultierte, sondern auf Intervention von Jesus, welcher drei Heiratsversuche Johannes' unterband.
„Oh du (Jesus), der du mich bis zu dieser Stunde (des Todes) für dich selbst gehalten hast und unberührt von einer Vereinigung mit einer Frau.“ (Johannes)

Ob Johannes durch diese Unterdrückung seiner sehnlichen Wünsche psychisch litt, ist nicht bekannt; es scheint jedenfalls kein besonderes Zeichen von Nächstenliebe zu sein, jemanden von seines Glück abzuhalten, um seine Dienste selbst zu beanspruchen.

Es fand gewissermaßen eine Abhängigkeit Johannes' zu Jesus statt:
Gerade als Jesus den Proviantkorb aus der Hand des Johannes nehmen wollte, wagte der junge Mann zu sagen: „Aber, Meister, es könnte sein, dass du den Korb abstellst, wenn du dich zum Beten abseits begibst, und dass du dann ohne ihn weitergehst. Außerdem wärest du beim Beten freier, wenn ich mitkäme, um das Mittagessen zu tragen; und ich werde bestimmt schweigsam sein. Ich werde keine Fragen stellen und bei dem Korb bleiben, während du allein beten gehst.“ (Johannes)

Diese Vereinnahmung wandelte sich in eine Art Gefügigmachung:

„Der du (Jesus) für zwei Jahre mich (Johannes) blind gemacht hast und so mich gezwungen hast zu trauern und dich anzuflehen. Der im dritten Jahr mir die Augen meines Geistes öffnete und mir auch meine sichtbaren  Augen gewährte: Der als ich (dann) klar sah, mich so formte, dass ich schmerzlich auf Frauen schauen würde ..."

Diese Vereinnahmung durch Jesus entbehrte nicht hoffnungsspendender Versprechen:
Jesus unterhielt sich lange mit Johannes und äußerte sich dabei freimütig über die Angelegenheiten dieser Welt und der nächsten. Johannes sagte Jesus, wie sehr er es bedauerte, dass er nicht alt genug sei, um einer seiner Apostel zu sein, und gab seiner großen Dankbarkeit darüber Ausdruck, dass es ihm gewährt worden war, sie [… ] stets zu begleiten. Jesus legte dem Jungen nahe, sich durch die unmittelbar bevorstehenden Ereignisse nicht entmutigen zu lassen, und versicherte ihm, er werde ein machtvoller Botschafter des Königreichs werden.
Es würde die Dimensionen dieser Abhandlung sprengen, ein Sittenbild Jesu zeichnen zu wollen; der Verfasser möchte nur anhand einiger Fakten die Glorifizierung des Heilands etwas relativieren. Behauptungen, dass Jesus seinen Jünger Johannes kastrierte, scheinen relativ gewagt, aber anhand von Johannes' Aussagen im Bereich des Möglichen zu liegen:

„.. und der mich (Johannes) allein auf dich (Jesus) abgerichtet hast: Der die heimliche Krankheit meiner Seele mundtot machte und die offenen Zeugnisse wegschnitt.“(Johannes)
(Für die Richtigkeit der Quellen und Übersetzung der Zitate gibt der Verfasser keine Gewähr)

Natürlich ist es müßig, anhand von Bibelstellen argumentieren zu wollen, denn das setzte voraus, dass die Bibel - wenn schon nicht wahr, dann wenigstens zum Teil wahr ist. Leider aber steht nichts anderes zur Verfügung als die Bibel und die Gläubigen stützen sich auf dieses Buch, was sie - ob wahr oder nicht - zu einem forschungstechnisch relevanten Werk macht.

In den Augen des Verfassers hat Jesus nie existiert. Verschiedene Autoren konstruierten eine Geschichte, welche eine Hauptfigur benötigte, um das Gesagte (Erdachte) zu transportieren. Er war ein fiktiver Charakter, von den Schreibern ausgestattet mit viel Weisheit, um das Alte Testament sozusagen als Teil Zwei fortzuführen und die Geschicke Gottes bzw. dessen Sohnes den ungebildeten, großteils analphabetischen Menschen jener Zeit plausibel und in personalisierter Form näherzubringen.

Auffallendes Indiz ist dabei das Fehlen jeglicher eigener Philosophie dieses Gottessohnes oder irgendwelcher hinterlassener Schriften, die einen wirklichen Denker jedes Zeitalters auszeichnen. Anstatt eines eigenständigen Werkes oder Aufbaus einer nachvollziehbaren Gedankenbasis, werden ihm von den Autoren einzelne hochtrabende - heute würde man sagen klugscheißende - Sätze und Gleichnisse in den Mund gelegt. Was wiederum darauf hindeutet, daß das Neue Testament für den einfachen Menschen erdacht wurde, dem die Konfrontation mit der monumentalen Komplexität einer Philosophie wie z. B. der eines Epikur, Platon oder Aristoteles - um annähernd in der zeitlichen Periode zu bleiben - aus Gründen einer zu hohen Kompliziertheit nicht zugemutet werden konnte. Der Inhalt des Neuen (wie auch des Alten) Testaments wirkt in Stilistik und Informationsgehalt eher von Bauernschläue durchzogen, als von maßgeblichen Denkern entworfen (welche im Übrigen etwas Derartiges nicht hinterlassen hätten).

Fest steht aber mit Gewissheit: Eine charakterlich zweifelhafte Figur wie jenen Jesus zum Oberhirten für Milliarden gläubiger Menschen zu machen, entbehrt nicht eines gewissen Humors, wenn nicht sogar einer fatalen Ironie der Geschichte.

 

6]

Ob Heilbringer, Sektenführer, Psychotiker, Sohn Gottes oder genialer taktischer Stratege - niemand weiss es, wer er war oder ob er tatsächlich gelebt hat, denn keiner seiner Biografen kannte ihn persönlich. Die ältesten Schriften entstanden ca. 50 - 60 n. Chr. und sind somit als Überlieferungen oder Legenden, aber nicht als authentische Biografien zu klassifizieren.

Nach der Meinung des Verfassers hat, wie schon gesagt, dieser ,Gesalbte‘ (= die Bedeutung des Namens ,Jesus‘) nie gelebt - und wenn, dann in einer später mystifizierten und glorifizierten Form, der die echte Person in keinster Weise entsprach. Weiters entspricht die Behauptung ,Gottes Sohn‘ zu sein einer geradezu monströsen Anmaßung, die ihresgleichen sucht, bedenkt man, daß ,Gott‘ ein hypothetische Größe ist, das Maß aller Dinge, erschaffen durch den Menschen selbst, durch seine Suche nach höheren Werten und seine Bindung an religiösen Glauben an sich. Die blinde Unreflektiertheit - heute lebender - gläubiger Menschen könnte nicht besser aufgezeigt werden, jedoch muss man mit einiger Nachsicht den Menschen der Antike betrachten - der Jesus-Mythos entstand zu einer Zeit, in der Begriffe wie Unreinheit/Dämonen/Satan oder die Erklärung von Krankheiten durch schlechten Schleim und Galle usw. etwas Alltägliches waren; also einer aufgeklärten Sichtweise fern. 

 

7]

Scharlatan oder nicht - diese als Jesus bezeichnete Person muss, wie jedes erfolgreiche Unternehmen, Kompetenz transportieren und sich als marktfähig erweisen. Dazu bedarf es, ausser der erfolgreich absolvierten Mundpropaganda auch eines ausdrucksstarken Erscheinungsbildes, visualisiert durch ein markantes Logo.

Der Verfasser könnte seine fotografischen Abbildungen einfach als ,Fotos‘ bezeichnen, aber er sieht darin mehr: Die Abbildungen sind ein Entschlüsselungs-Verfahren, eine Dechiffrierung der körperlichen Topologie, ein Finden des wichtigsten Symbols des Katholizismus im menschlichen Körper; ein Aufzeigen der sexuellen Komponente des Jesus-Kults.

Er findet dieses Logo im menschlichen Körper, durch topologische Bezugspunkte der Geschlechtsmerkmale, der Genitalien, sichtbar gemacht.

Dieses Zeichen - die Stilisierung eines gekreuzigten ,Erlösers‘, wie die Christen es gerne sehen - kann durch eine differenzierte Herangehens- und Sichtweise, wie sie der Verfasser vorschlägt, durchaus als Erkennungsmerkmal einer sexuell orientierten Sekte gedeutet werden, da sich - wie vom Verfasser bewiesen - die Kreuzform im menschlichen Körper als genital zuordenbares Konstrukt darstellt. Das Kreuz ist die Reduzierung des menschlichen sexuellen Triebs auf ein, seiner religiösen Bedeutung und Überschätzung enthobenes, leeres Symbol.

 

3.6. Andere Kreuzformen und Symbole

1]

Wie schon in 3.2. beschrieben, existieren ausser der reduziertesten, der katholizistischen Form noch viele andere Varianten des Kreuzes. Gemeinsam ist allen das Zentrum, welches von 90°-Winkeln gebildet wird.

Der Verfasser arbeitet in den meisten Fällen die reduzierte Form hervor (das Lateinische Kreuz) - in seiner verkehrten Form das Petruskreuz symbolisierend, verwendet aber auch das Russische Kreuz, welches aus drei Querbalken besteht, der unterste davon in einem (vom Verfasser) mathematisch errechneten Winkel von 27° nach rechts unten gedreht.

Bemerkenswert ist dabei: Warum gerade 27 Grad?

a) Der Schnittpunkt des längsten Querbalkens liegt in einer 27°-Diagonale zur Basis des vertikalen Balkens. (Die Spitze des Kreuzes und der längste - der zentrale - Querbalken treffen sich in einer 45°-Linie.)

b) Subtrahiert man von der Zahl 45 die Zahl 27, ergibt sich die Zahl 18.

Im Judentum ist achtzehn der Zahlenwert des hebräischen Worts Chaj, welches Leben bedeutet. Sie wird deswegen auch manchmal als Glückszahl angesehen. Das zentrale Gebet der jüdischen Liturgie ist das Schmone Esre oder Achtzehnbittengebet, das in seiner ursprünglichen Form aus achtzehn Bitten besteht.

(Quelle zur Zahl 18: Wikipedia)

Dieser dritte Querbalken*** findet praktische Verwendung in der Fotografie des Verfassers, da er sich gleich einer natürlichen anatomischen Achse einigen Schnittpunkten der topologischen Architektur anpasst und somit auch das russisch-orthodoxe Kreuz, obwohl vom Aufbau komplizierter, sich hervorragend eignet, das Ziel des Verfassers - die anthropometrische Definition religiöser Symbole im menschlichen Körper - zu beschreiben.

 

2]

Doch die humane Topologie bietet noch mehr Möglichkeiten, als nur das Kreuz zu definieren.

Einige der wichtigsten christlichen Symbole wie der eucharistische Fisch oder der Kelch können im topologischen Anatomieraster konstruiert werden, ja sogar das Christusmonogramm lässt sich herausfiltrieren. Fisch und Kelch werden vom Verfasser in einigen Abbildungen aufgezeigt und dargestellt.

Ob diese Elemente nur zufällig oder durch gezieltes Suchen existent sind, oder - nach der Theorie des Verfassers - vor zweitausend Jahren vorsätzlich hineininterpretiert wurden, ist sicher Diskussionssache. Auszugehen ist dabei davon, dass derartige Interpretationsmöglichkeiten auf der Hand liegen, also mit anzunehmender Sicherheit keine Neuerfindung sind. Wie aber sind diese Symbole entstanden? Symbole, die grundlegend sind für einen Jahrtausende alten Glauben, getragen von Millionen von Menschen, angewendet von seriösesten Glaubensgemeinschaften und der Kirche?

Anzunehmen, derartig fundamentale Glaubenstransport-Mechanismen sollen aufgrund von schwächelnden, von einem gesunden Menschenverstand nicht akzeptierbaren Jesuslegenden entstanden sein, ist schwer nachvollziehbar, wenn nicht sogar unglaubwürdig. Man kann annehmen, dass der Klerus, um seine Bedeutung/Macht zu festigen und aufrechtzuerhalten, mit der (Leicht)Gläubigkeit seiner Anhänger spielt und sie ausnutzt; Menschen brauchen Fixpunkte, an denen sie sich orientieren können.

Darum auch die heroischen Taten und edlen Gleichnisse, welche Jesus anscheinend vollbracht hat; die Beweise dafür sind ausständig, aber die braucht man nicht. Glauben braucht keine Beweisführung. Die Wort/Bild-Marke Jesus und seine Symbole zeigen ihre Wirkung, höchstwahrscheinlich ist das christliche Kreuz das mächtigste, sich selbst kolportierende Logo der Welt.

 

3

Der eucharistische Fisch: Ursymbol der weiblichen Scheide.

Die Eucharistie (Danksagung) ist ein Sakrament. Sie wird auch ,Heilige oder Göttliche Liturgie' genannt; oder auch ,Abendmahl', ,Heilige Kommunion' oder ,Allerheiligstes Sakrament'. Sie symbolisiert das letzte Mahl, welches Jesus mit seinen Jüngern vor seinem Opfertod eingenommen hat.

Bei der Eucharistie-Feier (die das Sterben und die Auferstehung Jesu verkündet) während der Heiligen Messe ist Jesus dabei in seinem Wort, in seinem Glauben an ihn und in den Gaben von Wein und Brot gegenwärtig.

Die eucharistischen Fische stehen symbolisch (schon seit dem Urchristentum) für die Vermehrung der fünf Gerstenbrote und der zwei Fische zur Speisung der Fünftausend. „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt“ sagt Jesus. Das Motiv, die Einzeldarstellung eines Fisches, steht auch für die symbolisierende Darstellung des eucharistischen Sakraments. Insgesamt ist es eines der wichtigsten Symbole des Christentums.

Es findet in der Neuzeit vielfältige Verwendung als Logo, vom Motorroller bis zum Leitsymbol des Deutschen Evangelischen Kirchentags (2007). Es wurde auch parodiert (z. B. bildet es den Korpus des Fliegenden Spaghettimonsters des Pastafarianismus) oder für antichristliche Kritik zweckentfremdet.

Der Verfasser wagt eine Interpretation, welche zwar herabwertend gesehen werden muss, aber auf der Hand liegt:

Die zwei gekrümmten Linien bilden - aus piktographischer Sicht - eine stilisierte Vagina.

Nicht historisch belegt ist, dass - mit zwei Fingern gebildet - das Zeichen ursprünglich als geheimes Erkennungsmerkmal unter Christen gedient haben soll. Zweifelsfrei aber wird es - wenn auch aus einem anatomischen Hintergrund heraus und teils mit gehässiger Absicht (unter Männern) - als Zeichen für das weibliche Geschlechtsorgan verwendet.

Aus einer gewagten Perspektive heraus besitzt das Zeichen - Symbol der Eucharistie, des Letzten Abendmahls - also noch mehr interpretatorischen Inhalt und lässt Fragen aufkommen:

War ,das letzte Abendmahl' mehr als eine fromme Zusammenkunft?

Kaum vorstellbar, dass es nur eine der segnenden Worte und ernster Polemik dienende Feier war - sich vor Augen führend, dass sich bisweilen selbst nach Begräbnissen die anschliessende Feierlichkeit im Wirtshaus recht ausgelassen und fröhlich gestaltet.

Was hat es mit der ,Fußwaschung Christi' auf sich, bei der Jesus seinen Jüngern die Füsse wusch und sie ,mit dem Tuch, das ihn umgürtete', trocknete?

(Petrus weigerte sich zunächst, doch nach Jesu Worten ,Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir' willigte er ein.) Um zwölf Männern die Füsse zu trocknen, muss solch ein Tuch möglicherweise abgenommen werden.

Es sind zwar nur interpretative Darstellungen, doch einige Gemälde zum Letzten Abendmahl z.B. von Leonardo da Vinci, Jacopo Bassano (1510 - 1592) oder Pieter Coecke van Aelst (1502 - 1550) zeichnen durchaus andeutungsweise orgiastisch anmutende Szenerien, denen obendrein eine leicht homo-erotische Komponente anlastet.

Der herumgereichte Kelch, kryptisch deutbare Worte (,Dies ist mein Leib; dies ist mein Blut'), nacktfüßige Männer, ein früh beginnendes Fest [drei synoptische Evangelien stellen das Letzte Abendmahl als Pessach-Mahl dar - Pessach findet jährlich in der Woche vom 15. bis 22. Nisan (Monat), beginnend nach Sonnenuntergang, statt], ein eigens angemieteter, großer und fertig ausgestatteter ,oberer Raum' an einem geheimen Ort ausserhalb der Stadtmauern Jerusalems - ein kritischer Geist würde nicht lange zaudern, hinter all dem mehr zu vermuten als eine formelle Besprechung von zwölf bekehrten und (später) heilig gesprochenen Aposteln.

Im Kontext zu diesem Hintergrund ist es (lt. Meinung des Verfassers) durchaus gerechtfertigt, dem Fisch-Symbol eine andere oder wenigstens erweiterte Bedeutung zukommen zu lassen. War das Abendmahl eine bacchantische Trink-Orgie? Eine homosexuelle Schwelgerei? Gab es dienernde (weibliche) Mätressen? War das gekrümmte Finger-Symbol ein sexuelle Absichten vertretendes Zeichen für ausschweifende, geheime Bacchanale mit Trink-, Fress- und Sexorgien einer adamitischen Sekte?

Diese Fragen in den Raum zu stellen - dass solche Fragen existieren (können), impliziert aus sich selbst heraus, dass im Letzten Abendmahl mehr zu finden ist, als die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zu berichten haben.

Ist alles eine Täuschung? Eine Täuschung und eine Fehlinterpretation der gesamten gläubigen christlichen Welt; von den ursprünglich beschriebenen, beschönigenden und hehren Absichten des Heilands bis hin zur heutigen, durch Heiligenbildchen oder filmische Umsetzungen verklärten Sicht einer geheimen, verfolgten Sekte mit durchaus menschlichen/weltlichen Vorlieben und Prinzipien.

Wenn ja, dann beten Millionen von Christen unter anderem ein stilisiertes Vagina-Symbol an, eine heilige Scheide.

Im fotografischen Werk des Verfassers wird - ausser dem Kreuz - sowohl der eucharistische Fisch als auch der Kelch konstruiert.

 

Des weiteren fand der Verfasser heraus, dass sich - aus rein anatomischer Sicht - um den menschlichen Korpus der hochgestellt betrachtete Grundriss einer Kathedrale konstruieren lässt; und diese Form grundsätzlich dem Umriss einer Vulva gleicht - so wie auch die Maria-mit-Kind-Darstellung sich perfekt in die Abbildung einer Vulva einpassen lässt (Kopf = Klitoris). Zufall oder Absicht? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigt, begann eine Recherche mit folgendem Ergebnis; einem Text der US-amerikanischen Frauenrechtlerin und Journalistin Gloria Steinem:

„In den 1970er Jahren, als ich in der Library of Congress recherchierte, fand ich eine merkwürdige Geschichte der sakralen Architektur, in der, als sei das eine allgemein anerkannte Tatsache, behauptet wurde, dass die traditionelle Bauweise der meisten patriarchalen Andachtsstätten dem weiblichen Körper nachempfunden ist. So gibt es ein äußeres und inneres Portal, wie es äußere und innere Schamlippen gibt; einen vaginalen Mittelgang zum Altar; zwei gebogene ovarienähnliche Seitenschiffe; und dann, im geheiligten Zentrum, den Altar oder die Gebärmutter. (...)“

(Steinem: Nachwort zu ,Vagina-Monologe', S. 112)

Der anatomisch-technischen Konstruktion von Kathedralen wird sich der Verfasser im fotografischen Werk in späterer Folge widmen.

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[Siehe Abbildungen]

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[Konstruktion der Kathedrale: siehe Bilder-Sektion, Abb. 8. Der den Korpus umgebende Grundriss stellt die Kathedrale Notre-Dame der franz. Stadt Reims dar. Weitere Abbildungen folgen.]

  

4] Der Baum der Erkenntnis

Der Verfasser möchte mit seinem Werk die Möglichkeit aufzeigen, dass ein Millionenfaches an Menschen einem grandiosen, legendären Betrug aufgesessen sind und dies noch immer tun - ja sogar dafür bezahlen. (Eine detaillierte Besitz- bzw. Reichtumsaufschlüsselung der Kirche kann an dieser Stelle nicht angegeben werden, Schätzungen darüber gehen in astronomisch anmutende Zahlen.) Die Werbe-Maschinerie ,Jesus' wirkt noch immer.

Obwohl nichts darauf hinweist bzw. beweisbar wäre, dass in der Bibel auch nur ein Satz nicht gelogen ist, sind Milliarden von Christen überzeugt, dass es so ist und war, wie es geschrieben steht. Hierin liegt nach der Ansicht des Verfassers das wahre Wunder. Die meisten Menschen glauben blind an ein Buch, welches sie wahrscheinlich nicht (vollständig) gelesen oder nicht verstanden haben. Ein Heer an Priestern, Nonnen und anders glaubensstrukturierten Menschen geben sich der naiven Vorstellung einer sich für uns geopferten Personifizierung Gottes hin und propagieren, missionieren und oktruieren eine nichtwissenschaftliche, nur durch daran-glauben postulierte Religionskampagne. Glaube macht blind, wie das Sprichwort sagt, aber er macht auch, wie bei jedem dogmatisch Indoktriniertem, verschlossen und intolerant gegenüber einer anderen Wahrheit. Selbst die Zeitrechnung wurde an dieser Märchen-Schrift und ihm, dem zweifelhaften Messias, orientiert.

Wenn die Bibel die Schlange als hinterhältig und mit schlechten Absichten darstellt, wenn sie Adam und Eva verführt, von den verbotenen Früchten***** zu essen, dann sollte auch festgehalten werden, dass die christliche Religion durch ihre Erziehung und Doktrin verschlagen in sich selbst ist. Sie macht Menschen blind und abhängig, serviert ihnen kindliche Fabeln (erst im 20. Jh. wurde die Paradies-Erzählung nicht mehr historisch verstanden), macht sie zu ,Sklaven der Wörtlichkeit und des Buchstabens' (Origenes) und sonnt sich in ihrer eigenen Größe. Die christliche Religion ist die Schlange an sich; unreflektiert, ohne den Inhalt metaphorisch zu vermitteln, penetrierte sie Menschengenerationen mit Gottesfurcht, starrem, uneinsichtigem und sogar gefährlichem Dogmatismus - ohne die geringste Wertlegung auf wahrheitsgemäßen Gehalt. Sie tolerierte millionenfaches Blutvergiessen, deklarierte geschlechtliche Liebe als Unzucht, degradierte und tötete Andersgläubige, propagierte Beschneidung (,Zurückdrängung des Fleisches' als ,Zeichen des Bundes' bei Abraham), schürte sinnlose Hoffnung und was dergleichen Dinge mehr sind - eine detailliertere Auflistung würde jeglichen Rahmen sprengen.

Aber, so wird uns gesagt, das alles muss der Mensch ertragen - die Erbsünde, von zwei erfundenen Personen herbeigeführt, lässt uns keine Wahl. Aber sie bietet uns generös zwei allheilende Optionen, mit jeder Ungemach fertig zu werden: beten und glauben.

Trotzdem werden immer wieder Fälle von akutem Befall mit teuflischem Gedankengut oder gar des Teufels selbst bekanntgegeben. Genauer gesagt, es handelt sich um Vermutungen, dass böse Dämonen von unseren Körpern Besitz ergriffen haben könnten. Dann bedarf es sogenannter apotropäischer Handlungen, um des Bösen Herr zu werden. Dazu gehören z. B. das Herzeigen eines Kreuzes, eines Heiligenbildes oder gar eines Exorzismus.

Zur Heilung eines solch Besessenen wurde vom Verfasser die genaue Positionierung eines hypothetischen Kreuzes am Körper entworfen, da er der Meinung ist, dass nicht nur äußerliche Einwirkungen wie Gebete oder das Zeigen einer Ikone einen festsitzenden Dämon nachhaltig entfernen können, sondern es auch einer innerlichen Reinigung bedarf. Die Zentren oder Schnittpunkte dieser Kreuze befinden sich an gewissen, taktisch wirkungsvollen Körperöffnungen wie Mund, Vagina oder Rektum.

In diese wird ein sogenanntes ,religiöses Medium' eingeleitet, welches geschluckt wird oder durch Einpumpen die inneren Hohlräume, wie z. B. die Gedärme oder den Uterus, ausfüllt.

Als ein solches Medium würde sich eignen: Weihwasser, gesegneter Wein oder - vom Verfasser nicht unterstützt, da es im kirchlichen Widerspruch stehen könnte - andere Flüssigkeiten wie z. B. (geweihtes) Priester-Sperma oder -Urin.

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[..... text in progress .....]

 

3.7. Zusammenfassung

 

a) Bedeutung, Beschreibung und Berechnung des Kreuzes.

b) Erschaffung des quartiären Geschlechtsmerkmals.

c) Klassifizierung der Jesus-Sekte nach adamitischem Vorbild.

d) Mathematische Prophezeiung und psychopathologische Betrachtung Jesus'.

e) Die Reduktion des Kreuzes auf den religiösen Symbolismus Jesu und die davon abgeleitete sexuelle Komponente. 

f) Auffindung zusätzlicher katholizistischer Symbole im menschlichen Körper: Der eucharistische Fisch, der Kelch und die Kathedrale.

g) Der Baum der Erkenntnis: Jesus und die Kirche – Verführer und Betrüger der Gläubigen.  

 

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* Die ursprünglichen Symbole für das Christentum waren das Christusmonogramm und das Staurogramm, die heute gültige Kreuzform entstand erst
im 5. Jh. n. Chr.
** Büßerhemd - unangenehm zu tragendes, aus rauhen Ziegenhaaren oder Schweineborsten gewebtes Hemd.

*** Symbolisiert den Übergang von Hölle zum Himmel bzw. soll die kniende und demütigende Haltung Christi zeigen.

**** Adamiten: Bezeichnung für verschiedene christliche Gruppierungen, welch den Zustand der Nacktheit von Adam und Eva vor dem Sündenfall wiederherstellen wollten. Der Name ,Adamiten' taucht zum ersten Mal im 2. Jh. n. Chr. in Nordafrika auf. Verwandte Gruppen (Hussiten, Nikolaiten, Taboriten, u.v.a.) wurden bis ins späte Mittelalter verfolgt und bekämpft.

***** Der urbiblische Text lässt am ehesten auf Feigen deuten, in frühchristlichen Apokalypsen waren es Weintrauben und erst die lateinische Übersetzung entwirft den Apfel(baum) aufgrund einer Namensähnlichkeit: malus, der Apfelbaum und malum, das Böse. Die Feige (lat. fica, vulgärsprachlich leiten sich davon die Begriffe ,fuck' und ,ficken' ab) wurde von der Kirche nicht geduldet, da sie ikonographisch den weiblichen Genitalien gleichzusetzen ist.

 

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Auf den folgenden Abbildungen zu sehen:

 

- Die Konstruktion des Kreuzes 

- Die Geometrie der Seele (nach Platon)

- Religiöser Symbolismus im menschlichen Körper im Hinblick auf ein genitales Zentrum:

  a) Das katholizistische Kreuz

  b) Die Kathedrale

  c) Der eucharistische Fisch und der Kelch

  d) Das Russische (orthodoxe) Kreuz

  e) Weibliche Geschlechtswerkzeuge

  f) Turiner Grabtuch